Trans – Mongolian Adventure
8500 Kilometer von Beijing nach St. Petersburg
5. September bis 02. Oktober 2010


Wir schreiben den 4.September 2010. Wie üblich vor einer langen Reise habe ich meine Wohnung auf Vordermann gebracht. So ist sie wenigstens zwei Mal im Jahr relativ sauber. Das Gepäck ist gepackt und ich konnte auch schon übers Internet einchecken und die Bordkarte ausdrucken. So muss ich morgen nur noch mein Gepäck abgeben.
Heute konnte ich noch an der Bahnhofstrasse die Parade des Police Music Festival anschauen mit Musikgruppen aus Südafrika, Australien, New York und Taiwan. Ausserdem gab es eine Gruppe aus Holland, die tatsächlich auf Fahrrädern Musik spielen konnte. Die Parade wurde begleitet von diversen Fahrzeugen und Einheiten der Stadt- und Kantonspolizei von Zürich. So zum Beispiel der Velopolizei, der Hundestaffel und der Sondereinheit. Das Nachtessen holte ich mir als Einstimmung auf die Reise beim Chinesen und genoss es bei einem Gratiskonzert anlässlich der Einweihung einer Einkaufsmeile im alten Bahnviadukt.
Am Sonntagmorgen fuhr ich mit dem Zug zum Flughafen, wo ich ohne grosse Wartezeit mein Gepäck abgeben konnte und anschliessend noch ein feines Frühstück mit Blick aufs Flugfeld zu mir nahm. Der Flug der Swiss Air Lines hob pünktlich ab und ich sah mir auf dem Flug die Filme „Karate Kid“, „Kick-Ass“, Teile von „A-Team“ (um die Cameo-Auftritte der Originalmitglieder Face und Murdock zu bewundern) und als Weiterbildung „Sex in the City 2“ an.
Am nächsten Morgen landete der Flieger in Shanghais Pudong International Airport und nach den nötigen Formalitäten suchte ich mir die Bushaltestelle und fuhr nach einer kurzen Wartezeit mit dem Airport-Bus Nr. 5 in die Innenstadt von Shanghai. Der erste Teil der Fahrt verlief fliessend auf der Autobahn, als wir jedoch auf dem Stadtgebiet angekommen waren ging es für einige Zeit nur im Schritttempo vorwärts. Ich weiss nicht, ob es sich um normalen Stosszeitenverkehr handelte oder es auch wegen der Weltausstellung war. Auf das riesige Expogelände konnte ich schon mal einen ersten Blick werfen, als wir die Brücke die das Gelände durchquert überquerten. Am Zielort, dem Hauptbahnhof von Shanghai stieg ich aus dem Bus und mit Hilfe meiner vorbereiteten Papiere fand ich auch wenig später mein Holiday Inn Hotel.
Mein Zimmer war im anderen Hotelflügel (doch im richtigen Flügel für den Expotransfer-Bus) und noch nicht bereit und so wartete ich ein wenig und bekam schlussendlich mein Zimmer 808 (die Nummer 8 bedeutet in China Reichtum) und war um 11.00 Uhr bereits wieder auf der Strasse um diese Stadt zu erkunden. Mit einer Karte ausgerüstet lief ich den Weg zum People’s Park oder Renmin Park. Dort sprach mich ein Chinese an und nach einem Gespräch folgte ich ihm vermeintlich zu einem Tee-Fest (vielleicht hat er auch von Anfang an von Test gesprochen, doch die Erfahrung am nächsten Tag zeigte mir, dass ich ihn wahrscheinlich doch richtig verstanden hatte). Auf jeden Fall war es schlussendlich eine Tee-Degustation in einem Hinterzimmer eines Teeladens, was mich teure 145 RMB (etwa 20 CHF) kostete, aber die Erfahrung wert war, denn wie ich am nächsten Tag erfahren sollte, war das die neuste Masche um Touristen auszunehmen. Doch dazu später. Als ich dort sass und mir aufging um was es sich hier handelt, flüchtete ich nicht, doch ich konnte den Test auf zwei Teesorten beschränken, anstelle wie von der Tee-Dame und dem Tourist vorgeschlagen alle sechs Sorten zu testen, was mich wahrscheinlich mehr fast das vierfache gekostet hätte.
Nach dem Tee-Test fuhr ich mit der Metro zum zurzeit höchsten Gebäude der Stadt, dem Shanghai World Financial Building, wo ich im hundertsten Stock auf 492 Meter einen gewaltigen Blick auf die riesige Stadt und das Häusermeer hatte. Dieser Wolkenkratzer ist im Moment das höchste Gebäude auf dem chinesischen Festland. Doch bereits ist ein noch höheres Gebäude geplant, das sogar dasjenige in Taipei auf Taiwan übertreffen wird.) Nach diesem Erlebnis ging ich zum Oriental Pearl Tower und fuhr von dort mit der Metro zurück zum Hotel, wo ich mich für zwei Stunden ins Bett legte. Zum Nachtessen ging ich in eines der chinesischen Fast-Food-Restaurant in der Nachbarschaft und genehmigte mir einen Schüssel Nudeln mit Chicken, anschliessend ging ich bereits um 19.15 Uhr zu Bett, da ich während dem Flug kaum geschlafen hatte.
 
Beim riesigen Frühstücksbuffet am nächsten Morgen entdeckte ich, dass im Hotel offensichtlich auch eine Gruppe „Wendy Wu’s“ war. Diese australische Tourgruppe hat seine Zielgruppe im Segment „Golden Generation“ also Rentnern mit Geld und einer solchen Gruppe war ich vor drei Jahren auf der 3-Schluchten-Fahrt auf dem Jangtse-Fluss begegnet.
Mit der Metro fuhr ich anschliessend an das Gegenstück zur Zürcher Bahnhofstrasse mit seinen exklusiven Markenläden. Von dort machte ich mich zu Fuss auf diverse Sehenswürdigkeiten zu sehen. Als erstes führte mich mein Weg zum unscheinbaren Wohnhaus von Dr. Sun Yatsen, der Begründer des „modernen“ Chinas lebte hier für sechs Jahre und seine Witwe noch bis 1937.
Anschliessend lief ich weiter zum Fuxin Park, wo ich wie drei Jahre zuvor in Kunming alte Leute dabei beobachten konnte, wie sie zusammen musizierten, Lieder sangen oder tanzten. Als ich mich dort kurz hinsetzte kam ein alter Mann auf mich zu und sprach mich auf Englisch an und erzählte mir stolz, dass er in den 50er Jahren 17-mal ins Ausland reisen konnte. Er ergänzte die Länder, die er bereist hatte; Ostdeutschland und Russland und verabschiedete sich auf Deutsch nachdem er von mir gehört hatte, dass ich aus der deutschsprachigen Schweiz komme.
Weiter ging es zum Haus wo der erste Kongress der Kommunistischen Partei von China im Juli 1921 getagt hatte. Mao würde sich im Grab umdrehen, wenn er diesen Ort heute sehen würde, denn um dieses Gebäude wurde im gleichen Stil eine Einkaufsstrasse mit westlichen Restaurants gebaut. Als nächstes ging es zu der sehr touristischen Altstadt, wo ich den Yuyuan Garten besuchte, einer der schönsten Plätze in Shanghai und im Gegensatz zur umliegenden Altstadt nicht so dichtgedrängt voll von anderen Touristen. Dort entdeckte ich auch eine Reisegruppe eines Costa-Kreuzfahrtschiffes, worauf ich mich auf den Weg zum Fluss machte, wo ich tatsächlich die Costa Classica entdeckte. Ich fuhr für zwei Yuan mit einer Fähre auf die andere Seite und kaufte mir in einem Supermarkt zwei Flaschen Grüntee, was ich besser nicht gemacht hätte. Denn wenig später entschied ich mich den 468 Meter hohen Oriental Pearl Tower zu besuchen. Da es beim Wolkenkratzer am Vortag keine Probleme gab, machte ich mir keine Gedanken, bis ich zur Sicherheitsschleuse kam, wo mir erklärt wurde, ich dürfe keine Flüssigkeit mitnehmen. Nachdem ich einige Zeit ungläubig gewartet hatte, durfte ich die Flaschen deponieren und nach dem Besuch mit einem Umweg zurück zum Eingang diese wieder abholen. Die oberste Aussichtsplattform war auf 350 Meter, doch die beste Aussicht hatte man auf 270 Meter. Dort gab es nämlich einen durchgehenden Glasboden rund um die Kanzel und nicht wie anderen Ortes nur kleine Glasbodenplatten.
Weiter fuhr ich mit der Metro zum Science & Technology Museum, wo ich wusste, dass es hier einen Markt mit gefälschten Markenartikeln gab. Ich interessierte mich für eine Omega Seamaster, da ich ein grosser James Bond-Fan bin und mir 3000 CHF für eine Uhr einfach nicht leisten kann und will. Nachdem ich zuerst die Parkanlage und das gewaltige Gebäude des Museums angesehen hatte, ging ich zurück zur Metrostation, wo die Verkäufer schon warteten und mich in ein Ladenlokal brachten. Danach kam ein weiterer Verkäufer mit einer Auswahl von Uhren, die mir jedoch nicht gefielen. Anschliessend brachte er einen Koffer mit Uhren, die bessere Qualität waren. Dann ging es an die Preisverhandlung, doch bereits der erste Betrag zeigte mir, dass ich hier am falschen Ort war, denn wie ich schon vorher im Internet recherchiert hatte, kann man sich auf etwa 20 % des ersten Betrages einigen. Doch der erste Betrag war bereits 1850 RMB (315 CHF) und mein Budget für eine solche Uhr war zwischen 120 und 200 RMB (20 – 40 CHF). Als ich ihm dies sagte, ging er zwar bereits auf 1200 RMB (200 CHF) runter, doch ich wusste, dass er niemals meinen Betrag akzeptieren würde und lief einfach davon.
Ich nahm wieder die Metro zur Nanjing Road und ging dort die wenigen Schritte zur Uferpromenade „The Bund“, wo ich auf die Dämmerung wartete und während meiner Wartezeit zweimal von einer Gruppe junger Chinesen angesprochen wurde und weitere solcher Gruppen beobachten konnte, wie sie andere „westliche“ Touristen ansprachen. Ihr habt es erraten; „Tee-Test“ !
Die Masche funktioniert wie folgt:
Man nehme eine Gruppe junger Chinesen, die sich selber als Touristen aus anderen Teilen Chinas ausgeben (am Besten noch Mitglied einer der Minderheiten) und mindestens einer der Chinesen kann gut englisch. Danach wird der Westler in ein Gespräch vertieft und schlussendlich erwähnt, dass nicht weit von hier ein Tee-Festival einer Minderheit (anlässlich der Expo) stattfindet, ob man sie nicht dorthin begleiten will. Was wahrscheinlich folgen würde wäre eine sauteure Tee-Degustation, wie ich sie am Vortag bereits erlebt hatte. Bei beiden Gelegenheiten sprach der „chinesische Tourist“ auch von Essen, wahrscheinlich um nach dem Tee-Test noch eine weitere Geldquelle in Form eines teuren Restaurants zu öffnen.
„The Bund“ ist die ehemaligen „Wallstreet“ von Shanghai mit Gebäuden aus den 1930ern im schönen Stil, den man zum Beispiel am Empire State Building in New York sehen kann. Nachdem ich die hell erleuchtenden Gebäude des „Bund und auch die modernen Hochhäuser auf der anderen Seite des Flusses bewundert hatte, fuhr ich mit der Metro zurück zum Hotel und in einem weiteren Restaurant gab es für mich Reis mit Ente und Gemüse.
  
Heute Mittwoch war es nun endlich soweit, nach dem Frühstück ging es um viertel vor acht mit einem Bus zur Expo, wo wir zu einem Gruppeneingang gebracht wurde, der direkt beim Asien-Gelände war. Dort warteten wir noch etwa dreissig Minuten in Kuhgattern bis sich um 9 Uhr die Tore öffneten und die ersten Besucher zu den Pavillons rannten. Ich wusste bereits, dass man kein Getränk mitnehmen durfte, aber in der Warteschlange hätte ich durchaus eine Flasche dabei habe können und auf dem Gelände gab es Trinkwasser-Brunnen. So konnte ich am ersten Tag wichtige Erfahrungen sammeln, die mir an den Folgetagen halfen. Auch konnte ich während der Wartezeit die militärisch anmutenden Rituale des Sicherheitspersonals beobachten. Ich nahm es ein wenig gemütlicher und kam noch rechtzeitig beim grossen Korea-Pavillon an um nicht allzu lange zu warten, denn die Pavillons öffneten erst um 09.30 Uhr. So war ich in der ersten Gruppe, die rein durften. Anschliessend besuchte ich die Pavillons von Laos, Myanmar, Vietnam, Usbekistan, die Länder im Asia 1-Pavillon, Nordkorea, Libanon und Qatar.
Um 12.00 Uhr trafen wir den Verantwortlichen der Reisegruppe und gemeinsam besuchten wir den riesigen Pavillon von China. Dafür war ich dankbar, denn in diesen Pavillon konnte man nur mit einer Reservation. Mit der Warteschlange, dauerte der Besuch zwar etwa zwei Stunden, doch dieser lohnte sich. Anschliessend ging ich in die Richtung Europa und besuchte unterwegs Neuseeland, Kambodscha, Australien (grossartig), die Slowakei und Tschechien. Beim Schweizer Pavillon, in den ich mit meinen Schweizer Pass ohne Warteschlange rein durfte erwartet mich eine Enttäuschung, denn die Sesselbahn funktionierte wieder einmal nicht. Weiter ging ich zum Holland Pavillon, sah mir die Afrika-Halle an und vom Dach des Luxemburg -Pavillon die Expo Parade. Dann ging es nach Lybien, Angola, Tunesien, Ägypten, Südafrika, Argentinien, Slowenien, Kanada, die Karibischen Inseln, Kuba, das Pavillon Europe 1, Portugal, Thailand, Hong Kong, Oman, Pakistan und schlussendlich Sri Lanka. Da inzwischen der Transferbus schon abgefahren war fuhr ich mit der Metro zurück zum Hotel.
  
Am nächsten Tag wusste ich bereits wie es funktionierte und so brachte ich eine Trinkflasche mit, die ich vor der Eingangskontrolle austrank und nach dem ersten Pavillonbesuch an einem der Brunnen auffüllen konnte. Nach der Sicherheitskontrolle rannte ich auch mit den Massen und war so unter den ersten 50 in der Warteschlange für den beliebten Pavillon von Japan, bei dem man unter dem Tag mindestens mit einer Wartezeit von zwei Stunden oder sogar länger rechnen musste. Im Pavillon konnte man unter anderem einem Roboter zusehen, der perfekt eine Geige spielen konnte. Die gezeigte Canon-Kamera war leider nur ein Konzept und lange noch nicht Funktions – geschweige den Produktionsreif.
Weiter ging es mit einer Fähre zum anderen Flussufer, wo vor allem die Firmen und Städte ihre Pavillons hatten und so sah ich mir hier insgesamt elf Pavillons an. Ausserdem besuchte ich das Expo-Museum mit einigen Kunstwerken und Erinnerungsstücke an andere Weltausstellungen. Unter anderem konnte man hier Rodins Denker sehen. Auf einem alten Fabrikgebäude war am Kamin ein riesiger Thermometer angebracht und heute zeigte dieser ganze 34 Grad an.
Was ich auch immer wieder sehen konnte und mich auch darüber wunderte war folgendes. Wie an den früheren Weltausstellungen konnte man auch hier Expo-Pässe kaufen und in jedem Pavillon gab es einen Stempel. Jetzt mag das ja ein gutes Souvenir sein und man kann die Chinesen in einem gewissen Sinn auch verstehen, dass die ganz versessen darauf waren solche Stempel zu sammeln. Sei es weil das die einzige Möglichkeit war „Reisepässe“ zu erhalten oder auch bei Freunden zu zeigen, dass man in jedem Pavillon war. Aber was ich nicht ganz begreifen konnte war, dass viele Besucher bis zu fünf oder mehr Pässe hatten und diese stempelten. Konnte man die an Freunde und Verwandte verschenken, die nicht die Möglichkeit hatten die Expo zu besuchen ? Oder denken sich die Leute, man könne diese verkaufen ?
Verschieden Weltstädte hatten hier ihre eigene Ausstellung so auch Genf/Basel und Zürich mit einem gemeinsamen Stand und dem Hauptfokus auf sauberes Trinkwasser. Bereits bei Dunkelheit fuhr ich mit der Fähre wieder auf die andere Seite und besuchte auf dem Weg zum Ausgang noch die Pavillons von Iran, Nepal und Indien, da dort um diese Zeit keine Warteschlangen mehr war. In einem Shop kaufte ich mir noch ein Souvenirbuch und fuhr wiederum mit der Metro zurück zum Hotel.
Heute am letzten Tag überraschte das Wetter mit einer Bewölkung und mit kurzen Regenphasen, die fast angenehm waren nach den letzten vier Tagen. Bei der Sicherheitsschleuse erkannte mich offensichtlich eines der Mädchen, dass den Sicherheits-Check machte und begrüsste mich mit „Welcome back, again.„ Nur waren heute auch beträchtlich mehr Besucher da. So schaffte ich es am Morgen nicht zu einem der beliebten Pavillons zu kommen, da diese alle zu weit von meinem Eingang waren und auch näher an anderen Eingängen lagen. (Am nächsten lag das Pavillon von Saudi Arabien, aber dort war schon eine riesige Menschenmenge am waren und Europa lag defintiv zu weit weg.) So verzichtete ich wegen den Wartezeiten von 2 bis 4 Stunden unter anderen auf die Länderpavillons von Saudi Arabien, Deutschland, Russland, Grossbritannien und den USA.
Dafür sah ich heute die Pavillons von Asia 2, Polen, Italien (dank der „Gruppenreservation“ ohne Warteschlange), Frankreich, noch einmal die Schweiz, Belgien und EU, Spanien, Dänemark (die Kopenhagens „Kleine Meerjungfrau“ dabei hatten), die fehlenden Länder von „Europe 1“, Bosnien, Weissrussland, Österreich, Litauen, Peru, Central & Südamerika, Mexiko, Chile, Venezuela, Estland, Finnland, die Philippinen (wo ich mein Nachtessen einnahm), Malaysia, Brunei, Indonesien und schlussendlich noch ein Pavillon über das „allgemeine Wesen einer Stadt“ (City Being). Also alles in allem habe ich viel gesehen, aber wie schon bei den zwei früheren Weltausstellung lange nicht alles. Ich werde sicher in fünf Jahren wieder nach Mailand pilgern und mir durch die Nähe zur Schweiz vielleicht sogar noch einen Tag mehr gönnen, denn bei dieser Weltausstellung wird mindestens die Reise gratis sein.
Die Besucherzahlen während meiner Expo-Zeit:
Mittwoch: 250'100 Pax (Sonne 30 Grad)
Donnerstag: 249'100 Pax (Sonne 34 Grad)
Freitag: 341'300 Pax (bewölkt und teilweise regen 28 Grad)
Samstag: 486'400 Pax (Regen 20 Grad), da war ich zum Glück nicht mehr dort
Scheinbar steigt die Besucheranzahl, wenn es kühler wird. Ich hatte Glück, denn zwei Wochen vorher waren noch fast doppelt so hohe Besucherzahlen gemessen worden. Wobei man die riesigen Menschenmassen auch relativieren muss. Erstens war auch das Gelände riesig und viele der Besucher standen in irgendeiner Warteschlange für Stunden fest, so dass man sich auf dem Gelände trotzdem gut bewegen konnte. Ausserdem hat Shanghai selbst bereits selber über 20 Millionen Einwohner, so dass es der höchste gemessen Besucherandrang nur etwa 5 % der Einwohner der Gastgeber-Stadt entspricht. Man vergleiche dazu nur mal die Züspa, Olma oder Muba mit den Einwohnerzahlen der entsprechenden Städte, geschweige der Einwohnerzahl des ganzen Landes.


Am 9. Jahrestag der New Yorker-Anschläge fuhr ich nach dem Frühstück mit der Metro zum Long Hua Tempel und entdeckte auf der Karte und vor Ort sofort den „Long Hua Friedhof der Märtyrer der Revolution“. Eines riesigen Komplexes für die Kommunistische Propaganda mit einem Museum und auf dem Gelände Gräber der Märtyrer. Es war sehr eindrücklich, anschliessend besuchte ich den Tempel daneben. Der Tempel (sehr ähnlich andererer buddhistischer Tempel zum Beispiel dem in X’ian) mit seinen Kerzen, Öfen und goldenen Buddha-Statuen beeindruckte wie immer.
Nach einem Fussmarsch zu einer anderen Metrostation fuhr ich zum People’s Square und flüchtete mich vor dem Regen ins Shanghai Museum, das gratis war und viele sehenswerte Objekte hatte. Beim Eingang war auch wie bei anderen Gelegenheiten eine Sicherheitsschleuse, aber anstelle das die Wärter meine Flasche Grüntee einzogen, forderten sie mich auf einen Schluck zu nehmen. So konnte ich die Flasche mitnehmen und die Wärter waren sich sicher, dass sie keine giftige oder ätzende Substanz enthielt. Fand ich viel besser als das konsequente „Nein“ zum Beispiel bei der Expo oder beim Oriental Pearl Tower.
Das Mittagessen nahm ich im riesigen Raffles Einkaufscenter ein und da der Regen nicht stoppen wollte fuhr ich zurück zum Hotel, wo ich mich ans Packen machte, ein wenig ausruhte und fern sah. Abschliessend zu meinem Aufenthalt in Shanghai ging ich für eine Portion „Shanghai Dumplings“ zum Nachtessen.
 


Tag 1 der GAP - Tour, Sonntag 12.09.2010
Nach dem Frühstück fuhr ich mit der Metro zur Übergangsstation des Maglev oder Transrapid, der einzigen Magnetschwebebahn, die tatsächlich Personen regulär transportierte. Mit 301 km/h ging die 30 Kilometer lange Fahrt nur gut 8 Minuten. Am Flughafen angekommen fand ich auch ohne grosse Probleme meinen Schalter und nach der Wanderung zu meinem Gate entdeckte ich bei meinem Gate eine gratis Internetstation und konnte so ein Lebenszeichen nach Hause senden. Wir konnten zwar rechtzeitig ins Flugzeug einsteigen, doch weil jemand nicht auftauchte und dessen Gepäck ausgeladen werden musste, verspätete sich der Abflug um eine Stunde. In Beijing musste ich zudem auf mein Gepäck warten und der Airport Express liess auch ein wenig auf sich warten, so erreichte ich mein Hotelzimmer im Hotel Harmony erst um 16 Uhr und hatte nun noch knapp zwei Stunden Zeit um den „Temple of Heaven“ zu besuchen. Was mir auch ohne Probleme gelang mit Hilfe der Metro und einem guten Stadtplan. Auf dem Gelände des Tempels wurden mir ebenfalls gefälschte Uhren angeboten, doch eine Omega Seamaster war nicht darunter. Es waren zwar Omegas darunter und der Händler bot sie mir zuerst für 100 RMB an und ging sogar bis zu 50 RMB runter, doch was mir nicht gefällt möchte ich auch nicht kaufen.
 
Um 18 Uhr war das erste Treffen der Gruppe und von den insgesamt 16 Reisenden (inklusive Reiseleiter) war die Hälfte jenseits der 60 Jahre. Ich war wie üblich der einzige der nicht aus einem Englischsprachigen Land kam. Die Anderen kamen aus Neuseeland, Australien, England, Schottland, Südafrika, Kanada und den USA. Der ältestes Reisende war 79 Jahre alt und die Jüngste 23 Jahre. Anschliessend an die administrativen Arbeiten ging es auf ein Nachtessen wie ich es mir vorgestellt hatte von meinem letzten Aufenthalt hier. Ein runder Tisch mit einer drehbaren Glasplatte und viele verschiedene feine Gerichte unter anderen die berühmte Pekingente. Ich schlug mir den Bauch voll, wie schon eine ganze Woche nicht mehr. Anschliessend fuhren vier von uns mit dem Reiseleiter mit Taxis in die „kleinste Bar von Beijing“ 12SQM ( 12 Quadratmeter ?) in ein Hutong Areal, wo ich einen echten Strongbow-Cider geniessen konnte. Im Bett war ich heute um Mitternacht.
 
Tag 2, Montag, 13.09.2010
Um 9 Uhr morgens wurden wir im Hotel von einem lokalen Reiseführer abgeholt und mit der Metro (die zu meinem Erstaunen vom Reiseleiter bezahlt wurde) fuhren wir zum Tianan Men-Platz. Wo wir einige Erklärungen erhielten, was die verschiedenen Gebäude rund um den Platz sind. Am Platz vor dem Nationalmuseum (das übrigens seit fünf Jahren immer noch renoviert wurde) wo vor drei Jahren der Countdown zur Olympiade lief, war eine ähnliche Uhr die anzeigte wie viele Tage die Expo bereits lief und wie viele Besucher sie bereits besucht hatten; über 50 Millionen waren es bereits zu diesem Zeitpunkt.
Weiter ging es in die Verbotene Stadt, die ich zwar schon vor drei Jahren besucht hatte, doch damals war der wichtigste Palast in Renovation für die Olympiade. Also konnte ich nun trotzdem etwas Neues sehen und auch der Führer erzählte ein paar neue Informationen, so sieht man hier sehr wenig Mobiliar oder Antiquitäten, da diese durch General Tschang-Kai-Tschek nach Taiwan gebracht wurden und dort im Nationalen Museum zu besichtigen sind. Nach der Führung gingen ein paar von uns mit dem Bus in Richtung „Drum and Bell“- Turm, wo es ein feines Mittagessen gab und anschliessend ging ich alleine zur Metrostation, wo wir vor drei Jahren Velos gemietet hatten. Mit der Metro fuhr ich zum Olympiastadion und sah mir die riesige Allee an und die gewaltigen Gebäude an, die nur für die Olympiade gebaut worden waren.
Am Abend fuhren vier von uns zu einer „Akrobaten Show“, die glaube ich im selben Theater stattfand, wie vor drei Jahren die Kung-Fu Show, doch diese Show war eindrücklicher. Den Höhepunkt bildeten fünf Motorradfahrer die in einer Eisenkugel mit ihren Motorrädern gewagte Manöver machten. Zurück beim Hotel suchte ich etwas zum Nachtessen und genehmigte mir in Begleitung von Nick und Dave ein paar feine Dumplings.
 
Tag 3, Dienstag, 14.09.2010
Heute trafen wir uns um 8 Uhr und mit einem Bus ging es zwei Stunden zur Mutianyu Sektion der Grossen Mauer. Zu Fuss gingen ich und ein paar andere die vielen Stufen zum Turm Nummer 8 und lief mit zwei anderen bis zum einen Ende der für Besucher geöffneten Sektion, dem Turm Nummer 20. Die letzte Strecke von Turm 19 zu Turm 20 war richtig steil. Zurück ging ich jedoch nur bis Turm 14 und nahm dort die Gondelbahn der Schweizer Firma CWA. So konnte ich mir vor der Abfahrt noch einen feinen Pfannkuchen mit Bananen und einen Kaffee gönnen. Distanzmässig waren es vielleicht etwa 3 bis 4 Kilometer, doch durch die Hitze und die Steigung war dieser Ausflug wahrscheinlich der anstrengenste der ganzen Tour.
Um halb drei Uhr waren wir zurück im Hotel und ich machte mich mit der Metro noch auf zum Hard Rock Café um ein T-Shirt als Souvenir zu kaufen und meine „All Access“- Karte auszunutzen. Sie gab mir immerhin 10 % Reduktion. Anschliessend fuhr ich zurück und kaufte mir ein wenig Proviant für die Reise und ging in die Jugendherberge ans Internet für ein letztes Lebenszeichen vor der Abfahrt mit dem Zug. Im Zimmer packte ich meine sieben Sachen und traf vier Andere in der Lobby und gemeinsam gingen wir zu einem seltsamen Markt, wo es einige komische Sachen zum Essen gab. Darren, der Schotte war schon am Vortag dort und kannte sich schon aus und wir probierten diverse frittierte „Spezialitäten“. Ich hatte einen ganzen Seestern und probierte ein wenig einer Eidechse, von Grashüpfern und einer Larve eines Seidenwurms. Auf den Skorpion verzichtete ich jedoch. Anschliessend trafen wir vor dem Hotel noch ein paar andere und hatten noch ein paar weitere Snacks und es wurde ein feucht-fröhlicher Abschied von Beijing und China. Ins Bett ging es für mich erst um 00.30 Uhr.
 
Tag 4, Mittwoch, 15.09.2010
Aufstehen um 6.30 Uhr und nach einem kurzen Fussmarsch über den Bahnhofsplatz und einer in China üblichen Sicherheitskontrolle ging es auf den Bahnsteig und pünktlich um 7.47 Uhr fuhr unser Zug K3 mit unserem Wagen Nr. 13 in Richtung Ulan Bator ab. Das Wetter war seltsam und erinnerte mich an die Drei-Schluchten-Fahrt vor drei Jahren. Man konnte nicht sagen ob es sich um Dunst oder Luftverschmutzung handelte, doch die ganzen 842 Kilometer bis an die Grenze war es irgendwie neblig. Kurz nach Beijing kamen wir in die bergigen Regionen, wo auch die Grosse Mauer steht, doch diese konnten wir so gut wir auch hinaus schauten nie erblicken. Sei es anfangs wegen der Tunnel in den Bergen, später jedoch klar wegen dem dunstigen Wetter. In einer grossen Industriestadt namens Datong machten wir einen Halt von 25 Minuten und konnten so auf dem Bahnsteig kurz unsere Füsse vertreten und die Leute beobachten. So spotteten wir auch bei der Abfahrt unseres Zuges einen Mann der eine Lok als Pissoir missbrauchte. Ob es nun einer der Lokführer war oder ein Dahingelaufener konnten wir natürlich nicht sagen. Entgegen der Erwartung gab es auch ein kleines Mittagessen und ein kleines Abendessen im chinesischen Speisewagen, so dass ich meine Vorräte kaum anrühren musste. Nur meine Getränke waren von Nutzen und in jedem Wagen hatte es einen Samowar, einen kohlenbeheizten Kessel mit Heisswasser und ich hatte von Zuhause Beutel mit indischen Chai-Tee dabei.
Schon bei Dunkelheit kamen wir an der Grenze an und konnten noch einmal kurz aufsteigen, bevor unser Zug in eine grosse Werkhalle gezogen wurde und dort Wagen für Wagen die ganzen Radgestelle ausgewechselt wurden. Nach diesem Prozedere wurden die Wagen wieder aneinandergekoppelt und die Zollformalitäten begannen.
 
Tag 5, Donnerstag, 16.09.2010
Als wir am Morgen aufwachten bot sich uns eine ganz andere Landschaft, wir befanden uns in der Wüste Gobi in der Mongolei und wir blickten auf eine karge Gegend. Ich hatte in mein Notizheft geschrieben „Camel, Coats and the big Nothing“. Was ziemlich zutreffend war: “Kamele, Ziegen und das grosse Nichts”. In Choyr machten wir einen weiteren kurzen Stopp und ich machte mich auf um die Statue auf dem Bahnhofsvorplatz zu fotografieren.
Sie stellte den ersten mongolischen Kosmonauten dar. Zwischendurch sahen wir auch verlassene sowjetische Militärflughäfen und einzelne Jurten. Der mongolische Speisewagen war auch sehr schön mit Holz ausgekleidet und hergestellt in der ehemaligen DDR. Doch da wir nun nichts mehr inklusive hatten verzichtete ich auf ein teures Essen.
Kurz vor zwei Uhr kamen wir in der Hauptstadt Ulan Bator an und wurden von unseren lokalen Betreuern Nemo und Mia abgeholt und zum Hotel San gebracht. Dann ging es ans erste Gruppen- Check- In. Auf den Zimmer gab es eine Dusche nach der ersten Zugfahrt (die Dusche war ausgerüstet mit zwei Duschköpfen, einer für Kaltwasser und ein Duschkopf angeschlossen an den Boiler) und wir ruhten uns ein wenig aus, bevor unser Reiseleiter Paul uns auf eine kleine Orientierungstour mitnahm. Ein paar von uns fuhren später zu einer mongolischen Folk-Show, die sehr interessant war, vor allem der ungewöhnliche Gesang war grossartig. Die Mongolen nennen es „Throat-Singing“ also Gesang aus tiefster Kehle.
Anschliessend holten wir die anderen Mitreisenden im Hotel ab und fuhren zu einem echten Mongolischen Barbecue, wie wir es auch in der Schweiz kennen. Nur gab es hier noch einige lokale Zutaten, zum Beispiel gekochten Schafskopf.


Tag 6, Freitag, 17.09.2010
Am nächsten Morgen wurden wir nach einem kleinen Frühstück von Nemo und Mia abgeholt und es gab eine kleine Stadtrundfahrt mit Besichtung der drei wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Ulan Bator. Bevor es losging fuhren wir jedoch zuerst zu einer günstigen Wäscherei, wo wir unsere Wäsche für 8700 Tubrik (etwa 9 CHF) waschen lassen konnten, die saubere Wäsche konnten wir auch gleich nach der Tour auf dem Rückweg wieder abholen. Das erste Ziel war das buddhistische Kloster Gandan Khiid. Wo wir unter anderem eine riesige goldene Buddha-Statue sehen konnten.
Weiter ging es anschliessend zum Winter Palast des letzten Königs der Mongolei des Bogd Khaan. Wo wir auch interessante Einsichten ins Liebesleben der Mongolen erhielten anhand eines Wandteppichs. Leider durften wir nicht fotografieren und ich konnte auch im Internet nichts Vergleichbares finden, also müsst ihr schon selbst hinfahren und diesen Wandteppich entdecken. Der Bogd Khaan, war der achte buddhistische König der Mongolei, ein rein religiöser Titel, doch für kurze Zeit war er auch der echte Monarch und hatte diesen Winterpalast von Zar Nikolaus II von Russland geschenkt erhalten. Die Architektur war auch ganz klar russisch, doch die Innenräume hätten genau so gut in Tibet sein können
Die dritte Sehenswürdigkeit war das Zaisan Denkmal. Ein sehr kommunistisches Monument gebaut von den Russen, die hiermit den „unbekannten Soldaten und Helden“ von diversen Kriegen gedenken wollten, aber mit einer guten Aussicht auf die ganze Stadt, die fast 1 Million Einwohner hat. Spätestens hier erkannten wir wie viel Einfluss die Sowjetunion offensichtlich hier einmal hatte. Die Mongolei war auch bis ins Jahr 1992 kommunistisch und wahrscheinlich ähnlich wie Polen oder die DDR ein abhängiger Satellitenstaat der UdSSR. Ulan Bator wurde auch 1924 mit diesem Namen umbenannt und heisst
Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung und ich machte mich auf selber noch die Stadt zu Fuss zu erkunden. Mittagessen gab es im benachbarten Einkaufszentrum in einem bedienten Buffet, wo ich nur auf die Sachen zeigen musste. Von dort lief ich zum grossen Sükhbaatar Platz, wo das Parlamentsgebäude stand. An der Fassade des Gebäudes sassen drei grosse Herren und zwar in der Mitte Dschingis Khan und an seiner Seite sein Sohn und sein Enkel der Kublai Khan, der zu seiner Zeit wahrscheinlich übers grösste Imperium aller Zeiten geherrscht hatte und seine Hauptstadt im heutigen Beijing hatte und von Marco Polo besucht wurde. Weiter sah ich ein paar ausgestellte alte Lokomotiven. Dampf und Diesel. Auf einem der alten Dieselloks prangte noch das prominente Bildnis von Stalin.
Auf dem Weg zum State Department Store, einem grossen alten Kaufhauses sah ich einen permanenten Circus und ein Beatles-Denkmal. Nachdem ich mir die enttäuschende Auswahl in der Souvenir-Abteilung angesehen hatte und diverse andere Souvenir-Läden erfolglos besucht hatte ging ich zurück zum Hotel und ruhte mich dort ein wenig aus. Ich besuchte auch ein Internetkaffee und konnte nach dem blockierten China hier endlich auch wieder ins Facebook. Am Abend ging ich mit Paul und Michelle, einem jungvermählten Pärchen aus Toronto zum „Dublin Irish Pub“ und genoss mein erstes „westliches“ Nachtessen auf dieser Reise. Es gab ein feines Knoblauch-Steak mit Pommes Frites.
 
Tag 7, Samstag, 18.09.2010
Heute checkten wir aus dem Hotel aus und deponierten unser grosses Gepäck in einem Zimmer. Nach dem Frühstück fuhren wir mit Nemo und Mia aufs Land und sahen uns zuerst ein gewaltiges Monument von Dschingis Khan an. Es war ganze 40 Meter hoch und zeigte ihn auf seinem Schlachtross. Die Statue war aus 250 Tonnen rostfreiem Stahl angefertigt und privat finanziert worden. Der Hintergedanke daran ist, dass in Zukunft rund um dieses Denkmal 250 Jurten (oder mongolisch Ger) gebaut werden und man dort übernachten kann und es wahrscheinlich auch Restaurants und Souvenirläden geben würde. Die Statue war nämlich im der Mitte von nichts gebaut worden, gemäss der Legende hatte Dschingis Khan hier gelagert. Aber verlässliche Quellen aus dieser Zeit oder Bauwerke gibt es nicht, denn Dschingis lebte sein ganzes Leben in einer Jurte und hatte nie einen permanenten Palast. In meinem Reiseführer steht ironisch, dass die einzigen Zeugnisse seiner Herrschaft, bzw. seiner Dynastie nicht in der Mongolei zu finden sind, sondern im von ihm eroberten China. Nämlich die Grosse Mauer, die ihn nicht aufhalten konnte und die jetzige Hauptstadt Beijing, die durch seinen Enkel zu dem gemacht wurde, was sie heute noch ist.
Einen weiteren Halt machten wir bei einer buddhistischen Stupa, wie ich sie auch schon in Tibet gesehen hatte. Was hier in der Mongolei auffiel, dass die Farbe blau eine wichtige Bedeutung hatte. Von dort ging es an diversen kleinen Ger-Camps vorbei in den Terelj-Nationalpark. Wir sahen noch von weitem den Schildkröten-Felsen, der wirklich ein wenig so aussah und kamen schlussendlich in unserem Camp an, wo wir schon mit einem herzhaften Mittagessen begrüsst wurden. Das Camp und die Jurten waren luxuriöser als ich es mir vorgestellt hatte. Die Jurten waren relativ klein und es standen zwei bis drei richtige Betten in jedem von ihnen und es gab sogar zwei „normale“ WC’s auf dem Gelände. Das Essen gab es an einem normalen Tisch in einem Haus. So war es weniger rustikaler als ich es mir ausgemalt hatte, was zwar ein wenig enttäuschend war, doch auch ebenfalls ein wenig beruhigend.
Nach dem Mittagessen gab es mit Nemo eine Lektion im Bogenschiessen und zwar mit einem mongolischen Bogen und nicht mit einem modernen Bogen. Nach diesem Erlebnis gingen vier von den anderen zum Pferdereiten und diejenigen die nicht im Camp bleiben wollten machten sich auf eine kleine Wanderung. Unterwegs zeigte Nemo auf eine scheinbar unscheinbare Felswand und nahm dann Paul’s Kamera machte ein Foto und zoomte es heran. Tatsächlich konnte man mit dem Zoom eine kleine Holzhütte in der Mitte der Wand erkennen, die ein Meditationstempel sei. Um halb acht gab es ein feines Nachtessen und anschliessend blieben ein paar von uns noch dort und vertrieben uns die Zeit mit Gesprächen und mongolischem Wodka. Für mich ging der Spass bis Mitternacht.
 
Tag 8, Sonntag, 19.09.2010
Nach dem Frühstück fuhren wir zurück nach Ulan Bator. Unterwegs machten wir noch einen Halt bei einem Verkaufsstand für Stutenmilch. Wir probierten dort einen Schluck, es schmeckte wie saures Joghurt. Ausserdem war dort ein Mann mit einem jungen Adler und gegen eine kleine Gebühr durften wir den Adler halten und Fotos machen. Zurück im Hotel San hatten wir für die ganze Gruppe drei Tageszimmer zur Verfügung und konnten so nach dem Ger-Camp und vor der nächsten Bahnfahrt eine Dusche nehmen. Anschliessend machte ich mich noch einmal auf um mir ein landestypisches Souvenir zu kaufen. Doch vieles war einfach zu delikat zum transportieren oder ganz einfach zu teuer. Schlussendlich fand ich eine schöne Kopie einer typischen Trinkschale aus Metall zu einem Preis, der zufriedenstellend war. Die Originale solcher Schalen sind aus Silber und kosten mindestens 10-mal mehr. Zum Abschluss dieses Aufenthaltes assen wir im Restaurant „Modern Nomads“ ein feines Nachtessen. Nemo und Mia brachten uns rechtzeitig zum Bahnhof und ohne grosse Wartezeit konnten wir unseren Wagen besteigen und wenig später um 21.10 Uhr fuhren wir in Richtung Russland ab und gingen schon bald zu Bett.
 
Tag 9, Montag, 20.09.2010
Am Morgen wachten wir in Sükhbatar, der mongolischen Grenzstadt auf und bemerkten, dass nur noch unser Wagen und eine Lokomotive dort standen. Der restliche Zug war schon früh zurück nach Ulan Bator gefahren. So konnten wir noch einen kurzen Spaziergang machen und das WC in der Station benutzen, da das Zugs-WC für die nächste Zeit geschlossen bleiben musste. Wir hatten nach 842 Kilometer durch China nun noch weitere 1113 Kilometer durch die Mongolei hinter uns und noch 5902 Kilometer bis Moskau vor uns.
Wenig später fanden die mongolischen Ausreiseformalitäten statt und nachdem diese durch waren, konnten wir amüsiert die Geschäftigkeiten der anderen Passagiere beobachten, die offensichtlich alle etwas schmuggelten. Eine der Frauen war zum Beispiel mit mindestens 20 riesigen Würsten unterwegs und die mongolische Zugsbegleiterin machte nicht nur beide Augen zu, sondern half tatkräftig mit. Sie stellte zumindestens ihr eigenes Abteil zur Verfügung. Die Abfahrt ab dieser Station war um 10.45 Uhr und unser kleiner Zug machte sich auf den kurzen Weg durchs Niemandsland die 21 Kilometer nach Russland. An der Grenze stiegen die russischen Zöllner zu und begannen mit ihren Zollformalitäten. Sie sahen sich die Einheimischen Abteile mindestens doppelt solange an wie unsere. Ob dabei Bestechungsgeld geflossen ist oder die Zöllner die Schmuggelei stillschweigend hinnehmen, solange es sich nicht um gefährliche oder illegale Stoffe handelt ist uns unbekannt. Auf jeden Fall wurde unseres Wissens kein Schmuggelgut gefunden und auch niemand verhaftet. Nachdem die erstaunlich reibungslosen Zollformalitäten über die Bühne gegangen waren, durften wir an diesem Bahnhof aussteigen. Wir befanden uns in Naushki und ich glaube fast der Bahnhof ist das grösste Gebäude hier im Ort. Wir hatten hier über drei Stunden Aufenthalt und schauten und bei einem kleinen Spaziergang die „Sehenswürdigkeiten“ an. Das Café, den Markt, den Volkspark, das Theater und das Kriegsdenkmal. In einem kleinen Shop stockten wir unsere Vorräte auf und schauten danach am Bahnhof zu wie unser einzelner Wagen mit zwei weiteren wartenden Wagen zusammengehängt wurde und später noch mehr Wagen dazukamen, so dass wir bei der Abfahrt wieder ein vollständiger Zug waren. Von nun an verkehrten wir nach Moskau-Zeit. Das heisst obwohl wir Lokalzeitmässig um 16.30 Uhr in Naushki abfuhren, war die korrekte Abfahrtszeit 11.30 Uhr und so waren die Bahnhofsuhren unterwegs auch immer auf Moskauzeit eingestellt. Die nächsten paar Stunden konnten wir erste Eindrücke der Landschaft von Sibirien aufnehmen und sahen den schönen Goose Lake. Bereits bei Dunkelheit kamen wir in Ulan-Ude an, wo wir einen halbstündigen Aufenthalt hatten. Dave und ich machten uns auf die Suche nach der versprochen Dampflok; Nick hatte das „Trans-Sibirian Handbook“ wo Kilometer für Kilometer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten aufgelistet waren. Leider war es schon etwa 8 Jahre alt, so dass es zum Teil nicht mehr aktuell war, doch in diesem Fall hatte es recht und wir fanden nach einiger Sucherei die gewaltige Dampflok und machten ein paar Fotos, bevor wir wieder unseren Zug besteigen mussten. Von unserem Wagen ging ich durch zwei Liegewagen mit 8 Liegen pro Abteil und ohne Türe (so wie ich damals vor drei Jahren durch China und von Varansi nach Neu Dehli gereist bin.) Das heisst 6 Betten quer auf einer Seite des Ganges und zwei weitere Betten an der Wand auf der anderen Seite. Der dritte Wagen war schlussendlich der Speisewagen und ich trank dort ein teueres 7up.
 
Tag 10, Dienstag, 21.09.2010
In Irkutsk kamen wir am nächsten Morgen um 7.31 Uhr Lokalzeit an und wurden am Bahnhof von einem Bus abgeholt und zum 63 Kilometer entfernten Listvianka am Baikal See gebracht. Unterwegs sahen wir den Eisbrecher „Angara“, mit dem früher die Passagiere des Transsibirischen Express im Winter den Baikalsee überquerten, bevor die Eisenbahn rund um den See gebaut wurde. Die erstaunlich gute Strasse zum Baikalsee wurde 1960 auf Befehl von Chrustschows gebaut, da nach dem Gipfeltreffen mit Eisenhower in den USA, ein ähnliches Treffen hier am Baikalsee geplant war, doch dieses fand niemals statt, da der Abschuss des Spionageflugzeuges U2 von Gary Powers dazwischen kam.
In Listvianka kamen wir in einer sogenannten Homestay unter, dass heisst wir wohnten in Wohnungen bei gewöhnlichen Leuten, die auch für uns kochten. Unsere Irina war eine Grossmutter und als wir eintrafen wartete sie bereits mit einem Frühstück auf uns. Mit einigen wenigen Worten Englisch, Russisch und Hand und Füssen konnten wir uns mit ihr unterhalten. Wir hatten die Wohnung für uns alleine, denn Irina schlief diese Nacht bei Ihrem Sohn und ihren Enkelkindern, falls sie überhaupt in dieser Wohnung wohnte. Bevor wir uns mit der Gruppe trafen konnten wir noch schnell eine Dusche nehmen.
Wir besichtigten hier mit einer Führung das Baikal Museum und hörten so über die Beschaffenheit des Sees und dessen Flora und Fauna. So lebten hier am See auch Robben. Der Baikalsee ist zwar nicht der grösste See der Welt, aber bringt es mit seiner Länge von 636 Kilometer doch auf eine beträchtliche Grösse. Die Länge entspricht der Distanz zwischen Moskau und St. Petersburg. Der Baikalsee ist jedoch der tiefste See der Welt mit einer maximalen Tiefe von 1637 Meter und das Süsswasser in diesem See entspricht 20 % der weltweiten Wasservorräte.
Nach der Führung spazierten wir ins Dorfzentrum, wo ein Teil von uns in einem Restaurant ein feines lokales Fischmenu assen. Anschliessend wanderten wir noch ein wenig im Dorf herum. Man merkte schon hier, dass die Hauptsaison vorbei war. Um 19.00 Uhr waren wir rechtzeitig für Nachtessen zurück bei Irina und hatten ein superfeines Abendmahl. Kurz nach acht liess sie uns alleine und wir wollten eigentlich mit ein paar anderen noch etwas trinken gehen, doch unserem Tourleader Paul ging es nicht so gut und so entschieden wir uns nach zwei Nächten im Zug diese Nacht auszunutzen und gingen bereits um halb zehn zu Bett.
 
Tag 11. Mittwoch, 22.09.2010
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Irina und wurden mit dem Bus zurück nach Irkutsk gebracht. Dort gab es eine Stadtrundfahrt mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Wir starteten unsere nasse Rundfahrt, den inzwischen hatte es leicht zu regnen angefangen, bei einer Kirche von 1706, liefen danach am Grab des unbekannten Soldaten vorbei, dessen Flame vom demjenigen aus Moskau stammte und gingen kurz am Flussufer entlang zu der märchenhaft anmutenden Bogoyavlensky Kathedrale. Weiter ging es mit dem Bus zum Znamensky Kloster von 1762.
 
 
 
Hier lagen die Relikte des sibirischen Missionars St. Inokent in einem goldenen Sarg.
Ebenfalls lagen hier rund um die Kirche das Grab des Erforschers Grigory Shelekhov, der Alaska für Russland beansprucht hatte und ausserdem diverse Mitglieder der sogenannten Dezembristen. Diese hochgestellten Männer hatten am 25. Dezember 1925 (deshalb auch der Name) einen Putsch gegen den damaligen Zar Nikolaus I organisiert, der durch ungenügende Organisation scheiterte. Während dem Aufstand wurden 60 Aufrührer erschossen, nachher 5 Anführer hingerichtet und 121 in die Verbannung nach Sibirien geschickt. Da es sich um Aristokraten und hohe Armeoffiziere handelte und später die Ehefrauen ihnen nachfolgten, brachten diese Verbannten auch Kultur und andere Dinge nach Sibirien. So gründeten sie Spitäler und Theater. Die meisten der überlebenden Verbannten kehrten nach 1855 zurück nach St. Petersburg, da mit dem Tod von Zar Nikolaus I eine Amnestie gewährt wurde. Doch ihre guten Taten lebten noch Jahrzehnte weiter.
Auf dem kleinen Platz vor dem Kloster stand die Statue von Admiral Kolchak, dem Oberbefehlshaber der „Weissen Armee“, die gegen die Bolschevikische Revolution kämpfte und den Zar wieder auf den Thron befördern wollten. Der Admiral wurde nicht weit von dieser Stelle hingerichtet. Auf der Einkaufsstrasse „Karl Marx“ fuhren wir zu unserer letzten Sehenswürdigkeit. Die monumentale Statue von Zar Alexander III wurde anlässlich des Baus der Bahnlinie aufgestellt. Daneben steht das „Weisse Haus“ von Irkutsk. Es wurde 1804 gebaut und diente den General-Gouverneuren von Ostsibirien als Wohn- und Amtsitz. Nach der Tour gingen ein paar von uns zum „Bierhaus“ für ein Mittagessen um anschliessend noch Proviant zu kaufen für die nächste Reise, welche wiederum zwei Nächte im Zug bedeuteten. Wir wurden mit dem Bus zum „schönsten“ Bahnhof von Sibirien gebracht und unser Zug verliess die Station
um 16.03 Uhr. Unterwegs erfuhr ich dank SMS welche zwei Kandidaten in der Schweiz in den Bundesrat gewählt wurden. 3 ½ Stunden später machten wir für 30 Minuten einen Halt im Ort Zima, was übersetzt Winter bedeutet. Was sicher zutreffend war für viele ehemalige Bewohner, denn dieser Ort diente auch als Stadt für Verbannte.
 
Tag 12, Donnerstag, 23.09.2010
Diesen Tag verbrachten wir so gut wie vollständig im Zug. Unser Wagen wurde von „Tamara der Schrecklichen“ begleitet, doch Olga, die joviale Köchin vom benachbarten Speisewagen war ein Lichtblick und versorgte uns ab und zu mit leckeren gefüllten Teigtaschen („Muuh“, da sie das englische Wort „Beef“ offensichtlich nicht kannte & Kartoffeln).
Wir machten einen kurzen Halt in Mariinsk, wo wir nur eine Plattform hatten und gegen Abend in der grossen sibirischen Stadt Novosibirsk, wo ich mir den grössten Bahnhof von Sibirien ansehen konnte. Ausserdem gab es hier ein Denkmal für die Soldaten, die im zweiten Weltkrieg in Richtung Europa aufgebrochen sind und eine uralte Dampflok. Am Stadtrand von Novosibirsk überquerten wir den Fluss Ob auf einer gewaltigen 870 Meter langen Brücke.
An diesem Tag überquerten wir auch den sogenannten Halfwaypoint, dass heisst den Ort, wo wir genau die Hälfte der Strecke zwischen Beijing und Moskau zurücklegten. Offensichtlich wäre dort auch ein spezieller Marker, doch ein Güterzug kam ausgerechnet dort in die Quere, so dass wir ihn verpasst hatten.
 
Tag 13, Freitag, 24.09.2010
Wir stoppten zuerst in Tyumen und verliessen dann Sibirien, waren aber immer noch in Asien. Bei Kilometer 2064 stand im „Handbook“ geschrieben, das hier die Matrosen des Panzerkreuzer Potemkin erschossen worden waren und     um       13.31 Uhr kamen wir in Ekaterinenburg an. Dort wurden wir bereits erwartet und wurden zu unserem besten Hotel auf der ganzen Reise gebracht, dem Park Inn. Nach dem Einchecken nahm ich eine Dusche und wusch vier Paar Socken per Hand. Ich ging danach zum Militärmuseum und kam dort um 15.30 Uhr an, doch die Damen erklärten mir mit Hand und Fuss, dass es um 16.00 Uhr zumache und keine Zeit dafür wäre. Wie ich am nächsten Tag sehen würde, hätte die Zeit gereicht. Auf dem grossen Platz vor dem Museum war ein eindrückliches Monument für die gefallenen Soldaten des Afghanistan-Krieges. Es war wohl eher ein Anti-Kriegsdenkmal. Da es heute noch relativ gutes Wetter war lief ich noch weiter und machte ein paar Fotos im Zentrum. Anschliessend ging ich in den Supermarkt und schaute deutsches Fernsehen im Zimmer. Im Hotel hatten wir auch Gratisinternet und so nutze ich diesen Umstand aus. Um 18 Uhr trafen sich ein paar von uns und gingen gemeinsam in die Innenstadt. Michelle, Paul, John-Paul und ich gingen ins Restaurant Dacha (Datscha), das innen wie ein typisches russisches Wohnhaus aus dem 19.Jahrhundert dekoriert war. Es gab für mich Borsch zur Vorspeise und Beef Stroganoff als Hauptspeise. Der freundliche Kellner fragte uns bei Beginn woher wir kamen und brachte uns tatsächlich wenig später drei Tischflaggen (Kanada, Australien und Schweiz).
 
Tag 14, Samstag, 25.09.2010
Nach dem feinen Frühstück kam unsere lokale Stadtführerin um 10.00 Uhr und nahm uns mit auf einen Stadtrundgang. Wir gingen zur Hauptstrasse, der Leninstrasse, dort machten wir halt bei einem Denkmal für Yakov Sverdlov, einem Weggefährten Lenins, der etwa zur gleichen Zeit wie er gestorben ist. Die Stadt wurde währen der Sowjetunion nach ihm benannt und die Region heisst noch immer Sverdlovsk, doch wie St.Petersburg bekam auch Ekaterinenburg nach dem Fall der Sowjetunion wieder seinen alten Namen. In der Nähe gab es auch ein Halbrundes Gebäude, welches früher als Hotel für KGB und andere Sicherheitsleute genutzt wurde und wo es damals eine gute Kantine gab, wo auch Boris Jelzin seine Lieblingsdumplings bekam. Denn der erste Präsident Russlands ist hier in die Universität gegangen und startete auch seine Politkarriere hier. Er war es auch als damaliger Gouverneur der 1977 veranlasst hat, das Gebäude zu zerstören wo 1918 die Zarenfamilie umgebracht worden war, da ein Jahr später das 50. Jubiläum gewesen wäre und man Angst hatte, dass der Ort zu einer Kultstätte werden würde.
Dieses halbrunde Gebäude solle von oben auch wie ein Hammer und eine Sichel aussehen, also das Sowjetische Symbol, doch später auf Google Earth konnte ich dies nur mit viel Phantasie erkennen, aber vielleicht gab es in den letzten 20 Jahren auch einen Umbau. Es habe damals auch keine Badzimmer oder Küchen in den Zimmern gehabt um den Kollektivgedanken zu verbreiten. Die Leute sollen ihr Essen zusammen mit den Anderen in der Kantine einnehmen.
Entlang der „Ul Lenina“ gingen wir zu einem farbigen Wochenmarkt, bei dem vor allem frische Lebensmittel angeboten wurde. Gemüse, Fleisch, Honig, Nüsse, Pilze und vieles mehr. Dort war auch der „Historische Platz“, der Istrochesky Skver, wo die Statuen der Gründer der Stadt standen. Die Jugend betitelt diese beiden Gründerväter liebevoll als Beavis und Butthead. Hier begann Ekaterinenburg ums Jahr 1723 zu wachsen. Hier konnten wir auch die Anfänge einer für heute angesagten Demonstration der politischen Opposition sehen. Dutzende Polizisten standen bereits am Strassenrand und beobachteten das Geschehen, ausserdem hatte es diverse Journalisten und/oder Spitzel und die ersten Demonstranten fingen sich an zu versammeln. Wie uns die Führerin erklärte ging es darum, dass die Partei den Bürgermeister ernennen will, anstelle Volkswahlen durchzuführen.
Vorbei an einer kleinen Staumauer gingen wir zum Hauptplatz, wo immer noch Lenin von einem Podest grüsste. Hier stand auch das pompöse Rathaus, das der Legende nach Chrustschow befall abzureissen, da es nicht nach den einfachen Grundsätzen der Sowjetunion gebaut worden war und zu bourgois aussah . Er konnte davon abgebracht werden, doch er habe jedes Mal wenn er mit dem Zug an dieser Stadt vorbeifuhr den Vorhang vor Abscheu geschlossen. Auf dem Stadtsee schwamm am Ufer ein Schiff, das als Restaurant diente. Von den Einheimischen wird sie auch die Titanic des Urals genannt. Denn vor Jahren hatte die Stadtregierung die Idee hier aus einem besonderen Anlass gratis Tee und Kuchen zu verteilen und die Leute strömten an den See. Als die Zeit reif war, die Tore zu öffnen ergossen sie sich alle aufs Schiff und hopps war es diesem zuviel und kenterte. Da der See nicht tief war gab es keine Opfer, doch die Moral ist: „Auf dieser Welt ist nichts gratis.“
Weiter an alten historischen Holzhäusern vorbei ging es zum letzten Punkt unserer Tour. Die „Kirche des vergossenen Blutes“, die als Erinnerung an die letzte Zarenfamilie an ihrer Todesstelle gebaut wurde, war gewaltig. Die Romanows galten nun nicht als Heilige selbst, jedoch als heilige Märtyrer. Im Untergeschoss war der Raum an der Stelle nachgebaut worden, wo die Kaiserfamilie am 16.Juli 1918 hingerichtet worden war, weil sich die Königstreue „Weisse Armee“ gefährlich nahe Ekaterinenburg genähert hatte und tatsächlich wenig später die Stadt auch zurückeroberte.
Da es nun bereits fast halb zwei war und das Militärgeschichtliche Museum nur bis 15 Uhr geöffnet hatte beeilte ich mich dorthin zukommen und musste feststellen, dass es sich nur um ein relativ kleines Museum handelte und die meisten Ausstellungsstücke nur in Kyrillisch beschriftet waren. Auf jeden Fall konnte ich die zwei kleinen Trümmerteile der U2 von Gary Powers sehen und war innerhalb 30 Minuten wieder auf der Strasse. Nach der Ernüchterung des Museums wollte ich noch die Statuen auf der Fussgängerzone fotografieren, die ich auf dem Weg zum Restaurant am Vorabend gesehen hatte. Durch den aufkommenden Regen wurde ich dabei ziemlich durchnässt und ging zurück zum Hotel um mir trockene Sachen zu besorgen. Da sich das Wetter in den nächsten Stunden nicht besserte blieb ich auch diese Zeit im Hotel. Zum Nachtessen war es wieder besser und so ging ich mit ein paar anderen in dieses Restaurant im ehemaligen „KGB-Hotel. Das Buffet war sehr gut und auch preislich sehr attraktiv.
 
Tag 15, Sonntag, 26.09.2010
Nach dem Frühstück wurden wir mit dem Bus zum Bahnhof gebracht und ohne grosse Wartezeit fuhr unser Zug wenig später um 9.20 Uhr Ortszeit ab. Der Zeitunterschied zu Moskau betrug nur noch zwei Stunden und die Uhr im Wagen zeigte bereits die Moskauzeit an. Nach der Abfahrt warteten wir gespannt auf Kilometer 1777, doch wie ich kurze Zeit später entdeckte waren die Kilometer-Marker bereits bei Kilometer 1649 und anhand meines Lonely Planet’s und dem aufgehängten Fahrplan im Wagen stellte ich fest, dass wir uns nicht mehr auf der offiziellen Transsibirischen Strecke befanden, sondern auf einer um etwa 150 Kilometer kürzeren und Dank Gott hoffentlich auch schnelleren Strecke befanden. Anstelle über Perm fuhren wir über Kazan und so verpassten wir den weissen Obelisken, der die Grenze zwischen Europa und Asien anzeigte.
Dafür konnten wir uns, ob einer schönen Landschaft durch die Hügel des Uralgebirges freuen. Wir stoppten kurz in Argyz I und am Abend im grösseren Ort Kazan. Unterwegs verzerrte ich meinen gekauften Kaviar mit Brot und Streichkäse und am Abend genossen wir den unglaublichsten Sonnenuntergang.
 
Tag 16, Montag, 27.09.2010
Endlich Moskau ! Endlich stimmte die Bahnhofsuhr mit der Ortszeit überein. Um 9.23 Uhr kamen wir in der russischen Hauptstadt am Kazansky Bahnhof an. Der Mann der uns abholen sollte war ein wenig zu spät, doch in einem kleinen Bus fuhren wir schlussendlich dichtgedrängt zu unserem Hotel Vega im Stadtteil Ismailova. Das Hotel befand sich in einem von vier fast identischen Hochhäusern mit mehr als 25 Stockwerken, die vor dreissig Jahren zur Olympiade 1980 gebaut worden waren. Mein Zimmer befand sich im 22. Stockwerk, doch da wir ziemlich ausserhalb des Stadtzentrums waren, konnte man sich nicht wirklich auf die Aussicht freuen. Nach einer Dusche und einem (für mich fast zu langen) Zeitchen zum Ausruhen war ich bereit um ins Zentrum zu fahren, denn ich hatte in Ekaterinenburg im Internet gesehen, dass nur noch heute einigermassen schönes Wetter hier in Moskau sei. Uns so fuhren ein paar von uns mit der nahen Metro um halb drei zum berühmten roten Platz. Er war einfach gewaltig. Die rote Mauer des Kremls, das riesige Einkaufzentrum GUM und die berühmte St.Basilius-Kathedrale. Mit Dave und Nick machte ich noch eine Stadtwanderung entlang des Flusses Moskva und zur Fussgängerstrasse Arbat. Wir nutzten auf jeden Fall die Zeit an der Sonne gut aus und nahmen erschöpft die Metro zurück zum Hotel, wo wir um 18 Uhr wieder ankamen. Unterwegs hatte ich an der Arbatstrasse im Hard Rock Café ein weiteres T-Shirt mit 10 % Ermässigung gekauft. Zurück im Hotel suchte ich in der Umgebung etwas zum Nachtessen und ging dann relativ früh zu Bett. Mein Zimmergenosse war mit zwei anderen Mitreisenden ins Bolschoi-Theater zu einem ellenlangen Ballett.
 
 
Tag 17, Dienstag, 28.09.2010
Wie erwartet regnete es heute den ganzen Tag. Mit der Metro fuhren wir wieder zum Kreml, wo wir unsere exzellente lokale Reiseführerin trafen. Nach dem die weniger informierten unserer Gruppe ihre grösseren Rucksäcke deponieren mussten, gingen wir durch die Sicherheitsschleuse aufs Gelände des Kreml. Auf dem Gelände sahen wir die wichtigsten Gebäude von Aussen. So etwa den Ort wo Stalin lebte, ausserdem war hier auf dem Gelände auch die offizielle Residenz des Präsidenten und sein Arbeitsplatz. Wir sahen die riesige Zarenkanone, die nie benutzt worden war und die Kugeln davor hatten wahrscheinlich nicht einmal Platz darin. Doch die Kanone wurde 1586 gebaut um dem gemeinen Volk die Macht ihres kränklichen Zar Fjodor zu zeigen. Ebenfalls war hier die riesige Zarenglocke zu bestaunen, die auch nie benutzt worden war. Sie ist über 6 Meter hoch und wurde 1735 mit 200‘000 Kilogramm Metall gegossen.
Wir betraten auch das Innere von drei der fünf Kirchen die hier stehen. In einer der Kirchen, der Erzengel-Michael-Kathedrale lagen auch die Särge der Zaren vor Peter dem Grossen. Nach dem Gelände besuchten wir das Museum im Zeughaus (Armory), wo wir Schmuckstücke, Zarenkleider und Kutschen bestaunen konnten. Unter anderem konnten wir hier die letzten 10 in Staatsbesitz befindlichen Faberge-Eier sehen. Ursprünglich waren es scheinbar 40 dieser Kunstwerke. In jedem Ei ist etwas „versteckt“, so dass es als Vorläufer der Überraschungseier gelten kann.
 
Nach der Führung hatte ich mit den Kiwis und dem Pärchen aus Toronto im Food Court in einem unterirdischen Einkaufszentrum neben dem Kreml etwas zum Mittagessen und darauf machten wir einen Spaziergang durch die Stadt. Wir überquerten den Roten Platz und weil es gleich zu Beginn stark zu regnen anfing besuchten wir die St. Basilius Kathedrale. Sie wurde 1561 auf Befehl von Iwan dem Schrecklichen erbaut. Anschliessend hörte der Regen solange auf, damit wir doch einen ausgedehnten Spaziergang machen konnten und unter anderem das Lubyanka-Gebäude, in dem früher der KGB sein Hauptquartier hatte, sehen konnten. Am Ende des Rundganges fing es wieder so fest zu regnen an, dass wir uns ins Einkaufszentrum GUM flüchteten und etwa eine Stunde dort verbrachten und die langen Gänge mit Luxusläden durchwanderten. In einem Delikatessenladen hatte es zu meinem Erstaunen diverse Fruchtsäfte aus der Schweiz. Nach dem Besuch des GUM fuhren wir mit der Metro zurück zum Hotel, wo ich später in einem benachbarten Kaufhaus mein Nachtessen bei einem russischen KFC hatte.
Tag 18, Mittwoch, 29.09.2010
Am Morgen checkten wir aus dem Hotel aus und deponierten unser grosses Gepäck in einem Lagerraum. Anschliessend traf ich Paul und Michelle um 9 Uhr und gemeinsam fuhren wir mit der Metro zum Roten Platz. Wir gingen ein wenig umher um auszukundschaften und wurden schliesslich von einer der vielen Uniformierten zum richtigen Warteplatz gewiesen. Kurz nach 10 Uhr war es dann soweit, nachdem ich meinen kleinen Rucksack eingestellt hatte, waren wir drei die Ersten an diesem Tag, die das Mausoleum von Lenin betraten durften. Doch entweder war das Interesse nicht mehr so da oder es waren einfach nicht mehr so viele Touristen in der Stadt, denn in der Warteschlange waren wir höchstens 30 Personen. Lenin lag wie eine Wachsfigur auf einer erhöhten Plattform in einem Glaskasten, bewacht von einer Menge Soldaten, die uns aufforderten weiter zu gehen.
Hinter dem Mausoleum standen ein dutzend Büsten auf den Gräbern von hohen sowjetischen Staatsmännern unter anderem Breschnew, Stalin und Kalinin. An der Mauer selber sind weitere hohe Funktionäre und Helden der Sowjetunion begraben, so konnte ich das Grab von Juri Gagarin erkennen, dem ersten Menschen im Weltraum.
Nach diesem Besuch trennten wir uns und gingen unsere eigenen Wege. Ich ging vorbei am Bolschoitheater zu einer Metrostation und fuhr zu einem der wichtigsten Friedhöfe der Stadt, wo ich die Gräber von Boris Jelzin, der Frau von Gorbatschow, der Frau von Stalin, Gogol, Molotow und Tupolew sehen konnte. Aber auch viele uns unbekannte russische Persönlichkeiten hatten hier eindrückliche Grabmale erhalten. Von dort ging ich zu Fuss zum Ufer der Moskwa und kam durch den Gorki Park zum einem Skulpturenpark, wo neben „den gefallenen Helden“, ehemaligen Sowjetdenkmäleren, auch zeitgenössische Künstler ihre Skulpturen ausstellten. Gleich daneben stand auch das umstrittene Denkmal für den Begründer der russischen Marine Zar Peter der Grosse. Es ist ganze 96 Meter hoch und Gerüchten zu Folge war der Mann ursprünglich Kolumbus und das Denkmal sollte ein Geschenk an New York sein. Die wollten jedoch dieses Geschenk nicht und so wurde der Kopf ausgewechselt und stellte nun eben Zar Peter I dar.
Weiter ging es zur Christ-Erlöser-Kathedrale, die ursprünglich als Andenken zum Sieg über Napoleon erbaut worden war von Stalin jedoch zerstört wurde, da er den Plan hatte hier einen „Palast der Sowjets“ zu bauen. Das Bauwerk sollte ganze 312 Meter hoch werden und darauf sollte eine 100 Meter hohe Leninstatue stehen. Das Bauvorhaben kam jedoch nicht zustande, so stand hier zur Sowjetzeit der grösste Swimmingpool der Welt im Fundament des Palasts der Sowjets. Nach 1991 wurde beschlossen die Christ-Erlöser-Kathedrale wieder aufzubauen und nun steht sie im neuen Glanz wieder an ihrem angestammten Platz. Die Wandmalereien im Innern waren einfach grandios.
Durch die Arbatstrasse, vorbei an der fast vollständig versprayten oder verdeckten Friedensmauer ging ich noch zum letzten Gebäude, dass ich in dieser Stadt noch unbedingt sehen wollte. Dem Parlamentsgebäude, der Duma, dessen Bild vor allem 1991 um die Welt ging, während des Putsches als Boris Jelzin hier sich gegen die Putschisten stellten. Von dort konnte ich auch noch den letzten der sogenannten „7 Schwestern von Stalin“, sieben Wolkenkratzer die in den 50er Jahren von Stalin gebaut worden waren. Ich fuhr mit der Metro zurück zum Hotel und ging im Hotel noch kurz ans Internet und zum Nachtessen mit Nick und Dave in eines der Restaurants rund ums Hotel. Anschließend warteten wir bis halb zehn auf unseren Transfer und wurden dann wieder dichtgedrängt mit einem kleinen Bus zu unserer Leningradsky Station gebracht, die genau gegenüber dem Kazansky Bahnhof lag. Dort fuhr unser letzter Zug um 23 Uhr ab in Richtung St. Petersburg.
 
Tag 19, Donnerstag, 30.09.2010
Nach der letzten und kürzesten Bahnfahrt kamen wir um 6.45 Uhr noch im Dunkeln in St. Petersburg an und wurden zu unserem Hotel „M“ gebracht. Es war wohl nicht mehr viel los und so bekamen wir bereits unsere Zimmer. Wir konnten auch für 250 Rubel ein Frühstück hier haben, was viele von uns ausnutzten. Bereits um 9.30 Uhr wurden wir abgeholt für einen Stadtrundgang. Das erste Ziel war ein Schloss, das der damalige Zar als Burg gebaut hatte. Die einzige Burg in St. Petersburg. Der Zar hatte Angst ermordet zu werden und ließ deshalb diese Burg bauen, doch nur sechs Wochen nach dem Einzug wurde der Zar in eben dieser Burg tatsächlich ermordet. Vor dieser Burg steht das erste Denkmal, das dem Zaren Peter dem Grossen erstellt wurde. Doch die Zarin, die es in Auftrag gegeben hatte gefiel es nicht, da das Pferd aussah, als wäre es auf Drogen. Sie ließ es in einem Keller verstauben. Da aber der Nachfolger ein Geizhals war und von ihm verlangt wurde ebenfalls ein Denkmal zu erstellen, nahm er einfach das alte Standbild und schrieb seinen Namen als Spender aufs Podest. Dann ging es zu einem grossen Platz mit einer ewigen Flamme im Mittelpunkt umgeben von einer Mauer. Hier waren die 198 Opfer in einem Massengrab beerdigt worden, die im Februar 1917 beim ersten Aufkeimen der Revolution umgekommen waren.
Weiter ging es über eine Brücke auf die andere Seite der Neva zur Peter-und Paul Festung. Dort fragte uns unser Führer, ob wir auf unserer Reise im Speisewagen bemerkt haben, dass Einheimische zwei Finger an die Seite ihres Halses legen. Es kam nicht vor, dieses Zeichen bedeutet, dass man einen Drink ausgibt oder gerne einen Drink bezahlt bekommen würde. Und die Geschichte erzählt folgendes über diese Geste:
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Wetterfahne auf der Spitze beschädigt und weil der Zar in Kürze einen hohen Besuch erwartete musste die Fahne innert drei Tagen repariert werden. Für das wäre jedoch nötig gewesen ein Gerüst zu bauen und dies alleine hätte schon mindestens eine Woche gedauert. So rief der Zar nach Hilfe und versprach eine hohe Belohnung. So kam ein Holzfäller, der normalerweise mit Stricken Bäume erkletterte und versprach es zu reparieren und so machte er es mit dem hohen Kirchturm gleich wie mit den Bäumen. Er schlang den Strick rund um den Turm und kletterte so rauf und flickte die Wetterfahne innert 24 Stunden. Der Zar war sehr erfreut und belohnte den Mann hoch. Unter anderem kriegte der Mann am Hals eine Tätowierung mit dem Zeichen und der Unterschrift des Zaren. Dies sprach sich natürlich herum und der Mann erhielt von nun an in jeder Bar Getränke umsonst. Er musste nur mit seinen Fingern auf die Tätowierung zeigen und schon kriegt er seinen Wodka. Innert weniger Jahren hatte er sich totgesoffen.
Wieder auf der anderen Uferseite hielt unser Führer kurz inne und erzählte uns, dass sich die Leute früher natürlich keine Uhren leisten konnten und auch die Kirchen keine Uhren hatten. Deshalb wurde von der Peter-und Paul Festung jeden Tag um Mittag und um 18 Uhr Abend ein Kanonenschuss abgefeuert. Heutzutage wird diese Tradition beibehalten und zwar nur noch am Mittag und wenige Augenblicke später dröhnte bereits der gewaltige Krach der Kanone zu uns herüber. Vorbei am Gebäude der Hermitage gingen wir noch zum letzten Punkt unseres Stadtrundganges. Wir sahen von Außen die Kathedrale, die ähnlich aussah wie die Basilius-Kathedrale in Moskau und zum Gedenken an Zar Alexander gebaut worden war, der an dieser Stelle ermordet worden war.
Nach einem Mittagessen gingen wir zu einem Army Shop, der im Lonely Planet stand, doch entgegen unseren Erwartungen gab es so gut wie keine Sowjet Andenken mehr. Nach einer kurzen Pause im Hotel ging ich zu einem Museum, wo gemäß einer Broschüre ein Comicfestival stattfand. Jedoch war dort nur noch eine Ausstellung und das Festival mit der Börse war am vergangenen Wochenende. Weiter schaute ich mir die Schiffstation an, wo man ein Schnellboot nach Petershof nehmen kann, doch für heute war es jedoch bereits zu spät für einen Ausflug. In der Peter-und Paul-Kirche schaute ich mir die Gräber der Zaren seit Peter des Grossen an und ging weiter zum Kreuzer Aurora, der die ersten Schüsse der Revolution abgefeuert hatte. Auch sah ich zumindest von Außen das Wohnhaus von Peter dem Grossen und somit des ältesten Gebäudes von St.Petersburg. Zum Nachtessen besorgte ich mir ein Jalapeno-Burger-Menu aus dem Fastfood-Restaurant Carls Jr. Abschließend machte ich mit vier Anderen noch einen Spaziergang zum Hermitage-Platz um die beleuchtenden Gebäude zu sehen.
 
Tag 20, Freitag, 01.10.2010
Nach dem Frühstück erhielten wir von Paul Eintrittstickets für die Hermitage, das größte Museum der Welt (oder das zweitgrößte nach dem Louvre, wenn es nach den Franzosen geht). Auf dem Weg zur Hermitage schaute ich mir am Nevski Prospekt noch die Kazan Kathedrale an. In der Hermitage verbrachte ich zwei Stunden und sah mir Kunstwerke von Gaugin, Picasso, Cezanne, Rubens, Leonardo da Vinci, Michelangelo und diversen anderen an. Ich machte auch viele Fotos, wie ich aber am Abend erfahren habe, hätte ich eigentlich eine Zusatzgebühr zahlen müssen. Niemand hatte mich jedoch darauf hingewiesen und so hatte ich an diesem Tag 100 Rubel gespart. Es sollte sowieso der teuerste Tag auf der ganzen Reise werden.
Nach dem Besuch der Hermitage ging ich zur Schiffstation des Peterhof Express. Die Verkäuferin am Schalter sagte mir zwar, dass das Schiff nur 10 Minuten später fahren sollte, doch aus irgendeinem Grund wartete ich fast eine ganze Stunde und kam so erst um 14.35 Uhr in Peterhof an. Dort schaute ich mir nur den Garten und die Fassade des nach dem Weltkrieg wiedererbauten Palastes an. Im Garten gab es viele verschiedene Brunnen zu besichtigen. Um 16.20 fuhr ich mit dem Schiff wieder zurück nach St.Petersburg und dort ging ich zurück zum Hotel. Unterwegs sah ich noch ein weiteres Standbild von Peter I und die St.Isaaks Kathedrale von Außen, denn der Balkon war bereits geschlossen. Um 18.30 traf ich die restliche Gruppe und gemeinsam gingen wir zu einem Abschiedsessen in ein georgisches Restaurant. Anschließend gingen die „Jungen“ noch in den Club Jasmin und verbrachten den letzten Abend mit viel Wodka. Für die Anderen gab es auch noch eine Wasserpfeife und Bier. Im Bett (das sich beim hinlegen drehte) war ich erst um 0.45 Uhr.
Tag 21, Samstag, 02.10.2010
Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von den noch Anwesenden und machte mich dann auf ein teures Souvenir zu kaufen und zwar eine Nachbildung eines Faberge-Eis mit einer Musikspieldose. Um es bequemer zu haben bestellte ich mir auf den Mittag ein Taxi und fuhr für 600 Rubel zum Flughafen, dort musste ich noch eine halbe Stunde warten bis das Check-In begann und anschließend traf ich im TG Fridays-Restaurant die Kiwis wieder, die schon zwei Stunden früher zum Flughafen gefahren sind, jedoch erst 2 Stunden nach mir abflogen. Im Restaurant bestellte ich mir das gleiche wie die zwei Anderen hatten und ich dachte es wäre ein guter Abschluss nach dieser Reise. Das Menu hieß nämlich „Shanghai Chicken Salad“. Nach dem Essen musste ich zum Glück nur noch eine kurze Zeit auf meinen Flieger warten und pünktlich hob auch mein Airbus A-319 der Swiss Air Lines in Richtung Zürich ab und beendete somit mein grosses Abenteuer. Doch die nächsten Pläne sind bereits gemacht….
 
Fortsetzung folgt

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