Grand Tour 2009

Lauter wunderbare Orte Teil 2

Durch Osteuropa vom 11. bis 26. September 2009

 

 

Vom „Das Magazin 09/2009“, dem Beilageheft des Tages Anzeigers inspiriert machte ich mich dran eine ähnliche Tour zu planen. Doch da ich kein Auto zur Verfügung hatte und gerne viele neue Orte besuchen wollte, wählte ich eine andere Route. Auch übernahm ich die Rolle des Erzählers und des Fotografen und reiste mit meinem eigenen Budget und nicht mit dem Spesenkonto des Tages Anzeigers. Dafür war ich länger unterwegs und besuchte mehr Länder als das Team des „Magazin“.

 
Am achten Jahrestag der Anschläge von New York ging es los. Ich fuhr mit dem Nachtzug ab dem Zürcher Hauptbahnhof in einem bequemen 3-er Schlafabteil in die Hauptstadt des kleinen europäischen Landes Slowenien. Unterwegs lernte ich das einzige slowenische Wort; „Dobre dan“ heisst Guten Tag.
 
Wir fuhren pünktlich ab und dank Schengen wurden wir auch nicht für eine Passkontrolle geweckt. Wir kamen jedoch mit 50 Minuten Verspätung in Ljubljana an, was gar nicht so schlimm war. Ich wusste beim planen genau, warum ich nur Verbindungen ohne Umsteigen gebucht hatte. Überraschend sah die ländliche Gegend und die Dörfer, die ich vom Zug aus sah gar nicht so exotisch aus, ich hätte genau so gut durch die Schweiz oder Deutschland fahren können.
 
Nachdem ich mein grosses Gepäck problemlos am Bahnhof in ein Schliessfach versorgen konnte machte ich mich auf die Altstadt zu erkunden. Mein Weg führte mich über die Drachenbrücke auf deren vier Pfeiler Drachen sassen. Die waren so etwas wie das Maskottchen von Ljubljana. Man sah sie überall, auf vielen Andenken und als Comicversion auf den Müllcontainern, die es hier reichlich gibt und auch getrennt für Glas, Papier und Normalmüll stehen. Deshalb ist die Stadt auch sehr sauber.
 
Nachdem Besuch der eindrücklichen St.Nicholas-Kathedrale rüstetet ich mich im nahgelegenen Tourismusbüro mit einem gratis-Stadtplan aus und machte mich durch die Altstadt auf zu Fuss den Hügel mit der Stadtburg zu erklimmen. Oben angekommen wurde ich mit einer wundervollen Aussicht auf die gesamte Stadt belohnt. Bei schönem Wetter konnte man von hier aus die schneebedeckten Gipfel der slowenischen Alpen sehen. Der Himmel war heute zwar fast wolkenlos, trotzdem konnte man die Berge nur erahnen.
Der Hof der Burg konnte man ohne Eintritt betreten und auch die historische Kapelle von 1489 war frei zugänglich. Die Letzere war mit Adelswappen und deutscher Schrift vieler herrschender Österreicher verziert.
 
Darauf hielt ich mich getreu an meinen neuen Reiseführer „Lonely Planet Eastern Europe“, der mir das Mittagessen im Seafood-Restaurant Risca direkt am Flüsschen empfahl. So erhielt ich für wenig Geld einen Fish & Chips-Teller mit einem grossen Salat und war so gestärkt für den Nachmittag. Ich ging nach dem Essen zuerst zum „Skyscraper“(Wolkenkratzer), wo die Besucherterrasse leider wegen Bauarbeiten geschlossen war, so ging es halt weiter vorbei am Parlamentsgebäude mit einer interessanten Fassade. Im benachbarten Doppelhochhaus befindet sich neben sieben anderen auch die Schweizer Botschaft. Das Ziel war die grüne Oase der Stadt, der Tivoli-Park. Hier hatte es Joggingstrecken, Tennisplätze und grosse grüne Wiesen, die im Sommer wahrscheinlich von Sonnenhungrigen Einheimischen überfüllt waren. Heute waren hier jedoch im Gegensatz zur Altstadt nur wenige Leute unterwegs. Hier im Park stand auch das „Museum zur modernen Geschichte Sloweniens“, das ich als nächstes besuchte. Hier hatte es interessante Exponate zum ersten und zweiten Weltkrieg und dem Balkankrieg. Im Teil über den ersten Weltkrieg war ein Korridor umgebaut als Schützengraben.
 
Nach diesem Besuch hatte ich mein Besichtungs-programm durch und musste nun Zeit tot schlagen bis zur Weiterfahrt. Ich ging deshalb noch mal zum Zentrumsplatz. Dort relaxte ich ein wenig neben der Statue für den Volkspoeten Preseren. An einer Hauswand hatte es eine kleine Skulptur einer Frau, die aus einem Fenster auf den Poeten schaut, dies ist ein Denkmal für die Geliebte des Poeten. Bevor eine Gruppe Missionare mit schwarzen Namensschildern ihre frommen Lieder vorzutragen begannen machte ich mich davon. Ich ging noch einmal auf den Burghügel auf einem anderen Weg und konnte dieses Mal besser die Bergketten erkennen. Durch diesen Einfall konnte ich einem gratis Konzert einer Musikgruppe mit ausschliesslich Zupfinstrumenten (Gitarren, Banjos, Mandolinen usw.) zuhören. Auf dem Weg zur Burg suchte ich den Lonely Planet-Tipp fürs Nachtessen, doch das Restaurant gab es nicht mehr und war durch ein französisches Restaurant ersetzt worden. So ging ich während am Horizont die Sonne unterging direkt von der Burg zu einer ebenfalls im Lonely Planet empfohlene Pizzeria Fuculus und wieder machte ich den Fehler. Bestelle nie eine grosse Pizza, wenn du nicht weißt wie gross sie wirklich ist. Ich fand doch dann Platz für die ganze Pizza mit feinem Seafood-Belag und einer Triestinisauce aus Knoblauch, Olivenöl und Petersilie. Rechtzeitig war ich zurück beim Bahnhof, wo ich fast rechtzeitig den Nachzug nach Belgrad besteigen konnte. Der Gegenzug nach Zürich hatte übrigens schon hier 30 Minuten Verspätung (er kommt aus Zagreb).
 
Mit „nur“ 30 Minuten Verspätung und etwa vier Störungen in der Nacht durch Passkontrollen (dafür mit einem serbischen Stempel im Reisepass) erreichte ich die ehemalige Hauptstadt von Jugoslawien und war somit ausserhalb der EU und dem Schengenraum. Mein modernes Ersatzhotel (das ursprüngliche Hotel war im Umbau) war nur 200 Meter vom Bahnhof und am Morgen um sieben Uhr erhielt ich bereits mein wunderbares Einzelzimmer. Nach einer erfrischenden Dusche und einem Kleiderwechsel machte ich mich auf eine kleine Wanderung. Leider war ich 90 Minuten zu früh an meinem ersten Ziel und da es das weitest entfernte Ort war lohnte es sich auch nicht vorher etwas anderes zu machen. So konnte ich (trotz Sonntag) in einem Quartierladen ein kleines Frühstück kaufen und konnte die Wartezeit so ein wenig überbrücken. Um 10 Uhr durfte ich dann aufs Gelände des Museums, das Hauptgebäude war geschlossen, doch Tito’s Grab, dass nicht mehr wie zu früheren Zeiten von einer Ehrengarde bewacht wurde, konnte ich fast ganz alleine ansehen. Dazu gab es einige Räume mit Erinnerungsstücken aus seiner Regierungszeit im selben Gebäude. Von dort lief ich zum orthodoxen Pendant zur Sagrada Familia; die grösste Orthodoxe Kirche der Welt ist zwar Aussen gut anzusehen, doch bei der Inneneinrichtung sind sie immer noch im Bau. Nach einer weiteren eindrücklichen Kirche ging es an den Regierungsgebäuden vorbei durch die Altstadt zur eindrücklichen Stadtfestung.
 
Auf dem Rückweg zum Hotel schaute ich mal zur Sicherheit noch nach, ob es das Restaurant aus dem Lonely Planet noch gab und nachdem ich noch Proviant für die morgige lange Bahnfahrt genoss ich eine kurze Siesta in meinem schönen Hotelzimmer, dass dank dem Umbau im alten Hotel nur etwa ein Drittel des üblichen Preises kostete. Nach dieser Rast ging ich zur Taverne „?“ aus dem Lonely Planet Reiseführer. Der Grund für den seltsamen Namen geht auf einen Streit am Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Die Taverne liegt gleich neben der kleinen Kathedrale von Belgrad und hiess früher Kathedralen Taverne, dann kam es zum Streit zwischen dem Wirt und dem Pfarrer und so hängte der Wirt anstelle des alten Wirtshausschildes ein Schild mit einem Fragezeichen auf. Da ich nicht nur geografisch, sondern auch kulinarisch reiste, wählte ich dieses Restaurant und bestellte mir eine Portion Cevapcici mit Bohnen.
 
Am nächsten Tag genoss ich ein kurzes aber reichhaltiges und vor allem inbegriffenes Frühstück. Ganz knapp und trotz fehlender Abfahrtsabzeige und kyrillischen Anschriften fand ich meinen Zug und die längste Tageszugfahrt durch die landwirtschaftlichen Gegenden von Serbien und Ungarn begann.
 
Mit „nur“ 30 Minuten Verspätung kam ich in Budapest an und ging zu Fuss die 20 Minuten zu meinem Hostel Marco Polo, wo ich sofort einchecken konnte. Wie ich in meinem Reiseführer erstaunt lesen konnte, gibt es Budapest erst seit knapp 190 Jahre. Es wurde aus drei Städten unter anderem Pest auf der einen Seite der Donau und Buda auf der anderen Seite zusammengeschlossen. Heutzutage merkt man diese Abtrennung kaum mehr. Nach einem kurzen Stopp im Zimmer ging ich sofort wieder los zur Donau und dort auf den eindrücklichen Burghügel mit seiner grossartigen Aussicht auf Budapest. Wieder unten an der Donau nach einem Blick auf eines der wohl schönsten Parlamentsgebäude der Welt am anderen Ufer kaufte ich mir in der U-Bahn eine 24-Stunden-Karte und fuhr mit der nächsten Bahn zum Restaurant-Tipp aus dem Lonely Planet. Im Restaurant Menza ass ich eine feine Knoblauch-Suppe und anschliessend ein Rindfleisch-Gulasch mit Spätzli. Nach diesem feinen Essen fuhr ich noch einmal an die Donau um ein paar gute Nachtfotos der Wahrzeichen von Budapest zu machen.
 
Nach einem kleinen Frühstück nutzte ich meine ÖV-Karte noch einmal aus; mit Tram und Bus fuhr ich zuerst zum Heldenplatz, weiter zum Opernhaus und zur Kathedrale. Ich fuhr noch einmal dieses mal mit einem Bus rauf in die Altstadt und schlussendlich bestieg ich den Gellert Hügel, der noch höher als der Burghügel war und noch einmal ganz andere Blicke auf die Burg und die Stadt bot.
 
Pünktlich fuhr ich um halb zwei mit dem direkten Zug ins nächste Land Slowakei und in deren Hauptstadt Bratislava. Nach dem Bezug des Bettes ging ich sofort in die Stadt und sah mir ein wenig die Altstadt und ihre Eigenheiten an. So gab es hier das schmalste Haus und einige seltsame Metall-Skulpturen. Unter anderem den Gaffer, der aus einem Gully schaut. Da dieser schon dreimal durch unaufmerksame Autofahrer den Kopf verloren hatte wird er nun mit einem eigenen Verkehrsschild „Men at Work“ beschützt. So konnte ich mir bereits einen Überblick verschaffen. Zum Nachtessen blieb ich gleich in der Altstadt und fand auch das Restaurant aus dem Lonely Planet. Im „Prasna Basta“ hatte ich ein feines Glas Rotwein, einen gefüllten Pfannkuchen mit einer feinen Sauce und schlussendlich Gnocchi mit Speck und slowakischen Käse. Nach diesem Gaumenschmaus ging ich zurück zum Hostel, wo ich trotz vollbelegtem 6er-Zimmer eine ruhigere Nacht als in Budapest genoss.
 
So stand ich relativ gut erholt auf, wo ein Kaffee und ein gefülltes Croissant schon auf mich warteten. So gestärkt machte ich mich auf den Slevin Hügel zu besteigen. Hier steht ein letztes Bollwerk der sowjetischen Besatzungszeit. Nämlich das 1960 eingeweihte Ehrenmal für die heldenhaften russischen Soldaten der roten Armee, die hier während des zweiten Weltkrieges gefallen waren. Hier liegen insgesamt 6580 Soldaten und Offiziere in sechs grossen quadratischen Massengräbern (für die Soldaten) und diversen Einzelgräber (für die Offiziere). Also ob sie ihren Imperialismus vorzeigen müssten, steht gleich neben diesem Mahnmal die Residenz des britischen Botschafters und ein paar Villen weiter die pompöse Botschaft der USA, die doch tatsächlich wie eine kleine moderne Kopie des weissen Hauses aussieht. Weiter ging ich von dort zu einem zweiten Hügel, wo das neue Parlamentsgebäude und gleich daneben die Stadtburg steht. Diese ist schon 1818 abgebrannt und erst nach dem zweiten Weltkrieg wurden der Wiederaufbau und die Renovation in Angriff genommen. Die Burg ist auch auf den Euro – Cent-Münzen abgebildet. Nach einem kleinen Rundgang ging ich runter zur Donau und überquerte die gewaltige Brücke, die ebenfalls aus der Sowjetzeit stammte und war für die Aussichtsplattform noch 20 Minuten zu früh. Während ich wartete konnte ich via SMS erfahren, wer in Bern zum Bundesrat gewählt worden war. Dann um Punkt 10 Uhr konnte ich auf die 95 Meter hohe Aussichtsplattform an der Spitze der Brücke steigen. Diese Spitze sieht von Aussen aus wie ein UFO, also kein Wunder wenn das Restaurant den Namen UFO hat. Nach diesem Ausblick auf Bratislava am anderen Ufer und die riesige Siedlung aus Plattenbauten auf dieser Seite der Donau ging ich zurück in die Altstadt. Hier schaute ich mir noch die Kathedrale an, wo viele österreichische Häupter gekrönt worden waren und das Palais in dem nach der Schlacht von Austerlitz 1805 der „Frieden von Pressburg“ besiegelt und der Friedensvertrag unterzeichnet worden war. Auf dem Rückweg tauschte ich noch mein überzähliges Geld in Euro um, doch das serbische Geld wollten sie nicht nehmen. Rechtzeitig holte ich im Hostel mein Gepäck ab und fuhr pünktlich mit dem Zug in gut einer Stunde nach Wien Südbahnhof. Die Stadtgrenze von Bratislava ist zum grossen Teil auch gleich die Landesgrenze zwischen der Slowakei und Österreich.
 
Am Bahnhof kaufte ich mir eine ÖV-Karte für 48 Stunden für den Stadtbereich, obwohl ich nur knapp 30 Stunden in Wien verbringen würde, war es die bequemste Variante. Vom Südbahnhof konnte ich mit einem Bus direkt zu meiner Jugendherberge fahren und wenig später war ich schon wieder auf dem Weg zur ersten Stadtbesichtigung; von fünf Sehenswürdigkeiten auf meiner Liste konnte ich am ersten Nachmittag bereits vier streichen. Als erstes fuhr ich zum Stephansdom und besichtigte die frei zugänglichen Räumlichkeiten und spendete das serbische Geld für die Renovation des Doms. Von dort konnte ich zu Fuss zur Kapuzinergruft, wo es die eindrücklichen Särge fast aller Habsburger-Kaiser zu besichtigen gab. Mit einem Tram fuhr ich vom Opernhaus zum Stadtpark, wo es die goldene Statue von Johann Strauss zu sehen gab und auf der anderen Seite in der Münzstätte ein Souvenir in Form einer Silbermünze der Wiener Philharmoniker kaufte. Als nächstes fuhr ich mit dem Tram weiter zum Hundertwasserhaus und zum Kunsthaus Wien, das ebenfalls von Friedensreich Hundertwasser gebaut worden war. Danach ging es in den Stadtteil Grinzing, ebenfalls mit dem Tram. Diesen Punkt auf meiner ursprünglichen Liste hatte ich eigentlich wegen Zeitmangel gestrichen. Doch ich konnte nun trotzdem dort in ein Heurigen Restaurant zum Nachtessen. Es gab ein typisches Wiener Schnitzel mit einem ¼ roten Sturm (Sauser) und anschliessend einem weiteren ¼ weissem Heurigen Wein. Das letzte Ziel an diesem Tag war der Prater, wo ich mir eine Fahrt auf dem berühmten Riesenrad gönnte.
 
Am nächsten Morgen war es das erste Mal nass. Trotzdem wollte ich auf mein Programm nicht verzichten. Als erstes fuhr ich zur Fernwärme-Anlage, die von Hundertwasser gebaut worden war und sah mir das Kunstwerk von nahmen an, da diese gleich neben einer U-Bahn-Station lag. Von dort konnte ich ohne umsteigen zum Schloss Schönbrunn, wo ich ausgiebig im Schlosspark herumwanderte und mir im Café in der Gloriette einen „Verlängerten“ genehmigte. Der Kolonnadenbau ist als Mahnmal gedacht, das auf dem Hügel gegenüber des Kaiserlichen Hofes an die Gefallenen der Kriege erinnern sollte. Auf dem Rückweg zur U-Bahn-Station wollte es Petrus noch einmal wissen und liess es noch einmal richtig regnen, doch das war es dann mit dem schlechten Wetter für heute und die nachfolgenden Tage. So konnte ich bei meiner Rückkehr im Stadtzentrum bei den Marktständen des Zirkus Roncalli vor dem Rathaus eine Leberkäse-Brötchen mit eine ¼ weissen Sturms geniessen. Von dort lief ich am beeindruckenden Parlamentsgebäude zum Heldenplatz und der riesigen Hofburg. Dort besuchte ich im Schweizerhof die Schatzkammer mit den uralten und unbezahlbaren Reliquien. Unter anderem sah ich die berüchtigte heilige Lanze, ein Horn eines Einhornes, die Kaiserkrone und die Wiege von Napoleons Sohn. Mit dieser Besichtigung war mein eigentliches Programm erledigt und ich hatte noch massenhaft Zeit bis zum eindunkeln, die ich gut zu nutzen wusste.
 
An den Stallungen der spanischen Hofreitschule und dem Hotel Sacher vorbei ging ich entlang der Kärntner Strasse zum Stephansdom. Unterwegs sah ich viele Fussballfans; offensichtlich gab es heute Abend ein Euroleague-Spiel zwischen dem HSV Hamburg und Rapid Wien. So fuhr ich mit der U-Bahn zuerst zum UNO-Sitz, wo ich mir auch noch schnell das benachbarte Kino ansah, doch die Filme hatte ich schon gesehen und der Preis war auch nicht so gut, dass ich mir einen Film ein zweites Mal anschauen konnte. Als nächstes fuhr ich zum Ernst-Happel-Fussballstadion, wo letztes Jahr das Final der Europameisterschaft stattgefunden hatte und die Vorbereitungen für das Spiel am Abend im vollem Gang waren. Weiter sah ich mir das Denkmal für Kaiserin Elisabeth (Sissi) und anschliessend das Denkmal für Wolfgang Amadeus Mozart an. Dort entschied ich mich, dass es noch genügend Zeit für einen Besuch des Zentralfriedhofes sei. Mit dem Tram über einen kleinen Umweg fand ich auch den Weg und besuchte die Gräber von diversen österreichischen Persönlichkeiten. Unter anderem waren hier alle Bundespräsidenten, der Filmregisseur G.W.Papst, Curd Jürgens und Falco begraben und diverse Musiker hatten ein Ehren-Grabmal, obwohl ihre Gebeine wo anders lagen. Nach einem Halt in einem Bücherladen zum den Preis des neuen Dan Brown-Romanes zu sehen ass ich eine Pizza zum Nachtessen und holte danach mein Gepäck in der Jugendherberge ab und war rechtzeitig am Bahnhof um den Zug einfahren zu sehen.
 
Nach einer bequemen Fahrt im Nachtzug alleine in einem 3-er Schlafabteil und dank EU wieder ohne Störung durch Passkontrolle nach Krakau stand heute die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau auf dem Programm. Über diesen Ort wurde schon genug geschrieben, deshalb kommentiere ich ihn an dieser Stelle nicht noch einmal.
Am folgenden Tag sah ich mir Krakau an, die Stadt die unter anderem vor Warschau die Hauptstadt von Polen war und die Stadt in dem die historischen Ereignisse rund um „Schindlers Liste“ drehten. Deshalb fuhr ich als erstes zum Gelände, wo das Konzentrationslager von Krakau gestanden hatte, dass im Film auch eindrücklich gezeigt wird (mit den Grabsteinen als Fusswege). Heute sieht man jedoch nur noch ein paar Ruinen und Steine, Ausserdem steht das Haus des Lagerkommandanten und des SS-Kommandos noch. Man sieht nicht mehr wirklich viel, doch das Gelände wurde nicht mehr bebaut und überwuchert allmählich. Offensichtlich ist es den Leuten unangenehm auf diesem Gelände Häuser zu bauen und man hat wahrscheinlich kein Interesse oder Geld um aus dem Brachland eine würdige Gedenkstätte zu machen. Dann ging ich auf einen Hügel, wo es auf der Kuppe einen künstlichen Hügel hatte, von dem man glaubt, dass es ein Grabhügel aus dem Mittelalter war. Durchs Judenviertel ging ich zum Wavel, der alten Burg, von wo aus früher der Staat regiert worden war. Dort schaute ich mir die Kathedrale mit ihren Königsgräber und im Turm der gewaltigen Sigismund-Glocke an. Im angehängten Museum hatte es noch einige Memorabilien von Karl Wojtyla; der spätere Papst Johannes Paul II begann seine kirchliche Karriere hier in Krakau. Beim Hauptplatz in der Altstadt hielt ich mich wieder an meinen Lonely Planet. Im Restaurant Chlopskie Jadlo, das Innen wie ein alter Landgasthof aussah ass ich eine währschafte Suppe, die in einem Brot serviert wurde. Um 16 Uhr ging es auf die letzte „grosse“ Bahnfahrt und drei Stunden später war ich in der Hauptstadt von Polen angekommen. Dort hatte ich Halbzeit meiner Reise und deshalb ein wenig Luxus verdient; die nächsten zwei Nächte verbrachte ich in einem Einzelzimmer im Holiday Inn nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt.
 
Am ersten Tag fuhr ich zum alten sowjetischen Stadion. Dort standen jedoch unzählige Krane und das Stadion war eingezäunt. Die Polen wissen offensichtlich alte Sachen wieder zu verwerten. Ich nehme an, dass hier das Fussballstadion für die Europameisterschaft 2012 gebaut wird. Ich ging von dort über den Fluss, wo ich eine Statue des Wahrzeichens Warschaus sah. Die Meerjungfrau ist sogar auf dem Wappen der Stadt:
 
 
Diese Statue der Syrena ist wie ich später las eine von dreien und wurde vor 70 Jahren nach dem Vorbild der Poetin Krystyna Krahelska modelliert. Sie war in ihrer Jugend Pfadfinderin und starb am ersten Tag des Warschauer Aufstandes, als sie versuchte einen Kameraden in Sicherheit zu bringen. Sie wird noch heute von vielen polnischen Pfadfindergruppen als Patronin verehrt. Der Legende nach ist sie die Schwester der Meerjungfrau von Kopenhagen und wurde hier gefangen und wieder befreit, worauf sie gelobte das zukünftige Warschau zu verteidigen. Am geschlossenen Chopin-Museum vorbei machte ich mich auf die Spuren des Warschauer Ghettos. Fast neben meinem Hotel fand ich die letzten Überreste der Ghetto-Mauer. Dort erhielt ich von einem hilfreichen Angestellten eine Broschüre mit einer Karte und sehenswerten Orten zum „Jüdischen Warschau“. So folgte ich der Karte und war schlussendlich erstaunt wie gross das Gebiet gewesen war. Nur um im Nachhinein wieder zu relativieren, obwohl es sicher grösser als der Zürcher Kreis 1 gewesen war, mussten doch hier eine halbe Million Menschen Platz finden. Ich sah das Denkmal für die Helden des Ghetto-Aufstandes, wo der Bundeskanzler von Deutschland Willy Brandt 1970 seinen „Kniefall“ gemacht hatte. Auch von diesem historischen Ereignis gab es in der Nachbarschaft nun ein Denkmal. Dazwischen wird auf einem grossen Platz das endlich finanzierte Museum zum Gedenken ans Ghetto realisiert. Wenige Schritte weiter gab es ein Monument am Ort von „Mila 18“. Wer sich in der Geschichte auskennt oder den Roman von Leon Uris gelesen hat, erkennt diese Adresse; hier stand der Bunker mit dem Hauptquartier der Ghetto-Aufständischen. Der Hügel hier wurde aus den Trümmern aufgeschichtet und da man damals die Toten nicht geborgen werden konnten, liegen hier immer noch über 100 Leute des Kommandos begraben. Die meisten hatten im letzten Moment Selbstmord begangen, um sich nicht den Nazis ausliefern zu müssen.
 
An weiteren Denkmälern vorbei unter anderem demjenigen für die Helden des Warschauer Aufstandes ging ich in die Altstadt. Diese wurde eben bei diesem Aufstand 1944 vollständig zerstört und in den 50er Jahren originalgetreu wieder aufgebaut. Wenn nicht an gewissen Gebäuden die modernen Jahreszahlen stehen würden, könnte man denken, dass diese schon Jahrhunderte hier stehen. Auch das Königschloss ist neuaufgebaut und steht wieder in neuer Pracht da. Als nächstes sah ich den riesigen Platz mit dem bewachten Grab des unbekannten Soldaten, wo Papst Johannes Paul II seine Openair-Messe gehalten hatte. Die erste Messe eines Papstes hinter dem Eisernen Vorhang. Ein grosses Kreuz erinnert an diesem Ort an das Ereignis. Das Nachtessen nahm ich in der Nähe der Festung am Eingang der Altstadt ein. Es gab Ente nach altpolnischer Art mit Äpfeln, Kartoffeln und Rotkraut.
 
Am zweiten Tag in Warschau war das grossartige Museum zum Warschauer Aufstand das erste Ziel. Es war wirklich interessant und sehenswert, ausserdem sind die meisten Displays auch in Englisch angeschrieben. Im dazugehörigen Park hat es eine schwarze Mauer ähnlich des Vietnam-Memorials in Washington DC mit unzähligen Namen der Opfer des Warschauer Aufstandes. Ich ging danach noch am ehemaligen Waisenhaus von Janusz Korczak vorbei, der im Jahre 1942 samt seiner Waisenkinder nach Treblinka verschickt worden war und sah mir die Kirche von St.Augustin an, das nach dem Ghetto Aufstand weit und breit das einzige unbeschädigte Gebäude war. Ebenfalls sah ich das Denkmal für die Polnischen Kämpfer die bei der Schlacht in Monte Cassino gekämpft hatten und nach einem letzten Rundgang durch die Altstadt, einer Pizza als Mittagessen und einem späteren Kaffee ging ich noch am Parlament vorbei zum Lazienki Park, wo unter anderem das Denkmal für Chopin steht. Auf dem Rückweg zum Hotel kam ich noch am ehemaligen Hauptquartier der Gestapo vorbei und sah die Schweizer Botschaft in einem historischen Gebäude eingerahmt von zwei Seiten von der Botschaft der USA.
Am Abend fuhr ich mit der Bahn zum Busbahnhof und tatsächlich fand ich den Bus nach Vilnius dachten ich und etwa ein Dutzend Reisende jedenfalls. Es war auch der Bus nach Vilnius aber von der falschen Firma. Keine Ahnung wer es schlussendlich gemerkt hat, aber der erste Fahrer sicherlich nicht, der wurde kurz vor Bialystok ausgewechselt. Dort gab es kurz eine Aufregung als ein zweiter Eurobus ankam und mindestens ein Drittel der Passagiere aufgefordert wurde den Bus zu wechseln. Das war es jedoch dann mit der Aufregung; der Rest der Fahrt verlief ohne weitere Probleme und kurz vor 7 Uhr kamen wir in Vilnius an.
 
Ich ging sofort zum Hostel, wo ich offensichtlich die Receptionistin aus dem Bett holte, jedoch sofort mein Bett zugewiesen bekam und auch die Formalitäten erledigen konnte. Nach einer Dusche und einem Kleiderwechsel machte ich mich auf die Hauptstadt Litauens zu bewandern. Durch das einzige erhaltene Stadttor ging ich durch die Altstadt bis zum Fluss, wo ich bei der „grünen Brücke“ die Statuen aus der Sowjetzeit bewundern konnte. Diese waren so beliebt, dass sie nach der Unabhängigkeit nicht entfernt wurden. Weiter sah ich das Parlamentsgebäude, dass 1991 in den Medien war, als sich die Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung hier verbarrikadierten. Da es heute leider Dienstag war, konnte ich das KGB-Museum nicht besuchen, denn dieses war Montag und Dienstag geschlossen. In diesem imposanten Gebäude war im zweiten Weltkrieg auch die Gestapo untergebracht und danach der KGB. Zur Erinnerung an die vielen teils sehr jungen Menschen, die im Räderwerk verschwunden waren, sind an den Steinen rund ums Gebäude viele Namen eingemeisselt worden. Dann sah ich das erste Frank Zappa-Memorial der Welt und ging am Präsidentenpalast vorbei zur Kathedrale. In dieser hatte es eine schön dekorierte Kapelle mit dem Sarg des heiligen Kasimir.
 
Von dort ging ich in ein anderes Land, nämlich in die Republik von Uzupis. Diese wurde im Jahre 2002 von Künstlern ausgerufen und hat ihren eigenen Präsidenten und folgende 41. Punkte umfassende Verfassung:
1.             Jeder Mensch hat das Recht, beim Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht, an jedem vorbei zu fließen.
2.           Jeder Mensch hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und ein gedecktes Dach.
3.           Jeder Mensch hat das Recht zu sterben, aber das ist keine Pflicht.
4.         Jeder Mensch hat das Recht, Fehler zu machen.
5.          Jeder Mensch hat das Recht, einzigartig zu sein.
6.          Jeder Mensch hat das Recht zu lieben.
7.          Jeder Mensch hat das Recht, nicht geliebt zu werden, aber nicht notwendigerweise.
8.          Jeder Mensch hat das Recht, gewöhnlich und unbekannt zu sein.
9.          Jeder Mensch hat das Recht, faul zu sein.
10.    Jeder Mensch hat das Recht, eine Katze zu lieben und für sie zu sorgen.
11.       Jeder Mensch hat das Recht, nach dem Hund zu schauen, bis einer von beiden stirbt.
12.     Ein Hund hat das Recht, ein Hund zu sein.
13.     Eine Katze ist nicht verpflichtet, ihren Besitzer zu lieben, aber muss in Notzeiten helfen.
14.   Manchmal hat jeder Mensch das Recht, seine Pflichten nicht zu kennen.
15.    Jeder Mensch hat das Recht auf Zweifel, aber das ist keine Pflicht.
16.    Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein.
17.    Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein.
18.    Jeder Mensch hat das Recht, still zu sein.
19.    Jeder Mensch hat das Recht zu vertrauen.
20. Niemand hat das Recht, Gewalt anzuwenden.
21.     Jeder Mensch hat das Recht, für seine Unbedeutsamkeit dankbar zu sein.
22.   Niemand hat das Recht, eine Ausgestaltung der Ewigkeit zu haben.
23.   Jeder Mensch hat das Recht zu verstehen.
24.Jeder Mensch hat das Recht, nichts zu verstehen.
25. Jeder Mensch hat das Recht zu jeder Nationalität.
26. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Geburtstag nicht zu feiern oder zu feiern.
27. Jeder Mensch sollte seinen Namen kennen.
28. Jeder Mensch kann teilen, was er besitzt.
29. Niemand kann teilen, was er nicht besitzt.
30. Jeder Mensch hat das Recht, Brüder, Schwestern und Eltern zu haben.
31.     Jeder Mensch kann unabhängig sein.
32.   Jeder Mensch ist für seine Freiheit verantwortlich.
33.   Jeder Mensch hat das Recht zu weinen.
34.Jeder Mensch hat das Recht, missverstanden zu werden.
35. Niemand hat das Recht, jemand anderen die Schuld zu geben.
36. Jeder hat das Recht, individuell zu sein.
37. Jeder Mensch hat das Recht, keine Rechte zu haben.
38. Jeder Mensch hat das Recht, Angst zu haben.
39. Lass dich nicht unterkriegen!
40.Schlag nicht zurück!
41.   Gib nicht auf!
Auf dem Hauptplatz steht die Statue eines Engels der in ein Horn bläst. Auf dem Grund dieses Landes aß ich auch in einem von meinem Reiseführer empfohlenen Restaurant ein litauisches Mittagsessen, bestehend aus Zeppelinen; eine Art riesigen Kartoffel-Gnocchi mit Fleischfüllung. Dazu gab es ein Glas (Birnen-) Cider. Am Schluss ging ich noch zur Burg über der Stadt, wo man eine gute Aussicht hatte. Nun musste ich mich ausruhen und nach einem Browsing durch die Andenkenläden und einem Kauf eines Bernstein-Souvenirs kam ich erschöpft im Hotel an und legte mich für einen Moment ins Bett. Einigermaßen erholt konnte ich so später ein weiteres Restaurant aus dem Reiseführer besuchen und mir ein feines Wildschwein-Gulasch genehmigen. Auf dem Rückweg zum Hostel bemerkte ich erst, dass ich die Uhr eine Stunde vorstellen musste. Das wäre was gewesen, wenn ich am nächsten Tag eine Stunde zu spät beim Busbahnhof gestanden hätte.
So war ich jedoch am nächsten Morgen rechtzeitig und in 4 ¾ Stunden kam ich auch dank meiner Lektüre gut ins Nachbarland Lettland und seiner Hauptstadt Riga. Dort erhielt ich auch sofort mein Bett in einem 6-Bettzimmer im obersten Stock. Außer mir war jedoch nur ein weiteres Bett besetzt. Zum Glück war ich nicht hier als der FCZ oder die Schweizer Fußballnationalmannschaft gespielt hatte.
Wie gewohnt machte ich mich gleich auf um die Stadt zur erkunden und ging als erstes zum Rathausplatz, wo im Scharzhäupterhaus das Tourismusbüro war. Da das Museum zur Okkupation Lettlands gleich nebenan war, besuchte ich dieses als erstes. Nach dem Besuch des Museums lief ich durch die Altstadt und sah mir die Kathedrale und später das Kriegsmuseum, das wie das erste Museum auch freien Eintritt hatte. Das Nachtessen hatte ich mangels Alternativen im Bahnhof. Den Abend beschloss ich nach ein paar Nachtfotos am Rathausplatz im Pub des Hostels bei einem großen Glas Cider.
Am Morgen des folgenden Tages war es zum zweiten und letzten Mal auf dieser Reise regnerisch. Aber der Regen kam nicht in Strömen und so war es auszuhalten. Ich ging zuerst zum Zentralmarkt, aber nicht wegen dem Markt als solchem, sondern weil dieser in fünf ehemaligen Luftschiffhangaren untergebracht war. Danach durchquerte ich die Altstadt um so die Distanz zum Fährhafen abzuschätzen, den ich am Nachmittag ja mit Gepäck machen musste. Ich sah so auch das hiesige World Trade Center in dem auch die Schweizer Botschaft untergebracht ist. Weiter ging es via Kongresshaus und Stadtburg zum Rathausplatz wo ich mir ein spätes Frühstück genehmigte. Nach dieser Stärkung fuhr ich mit dem Lift auf den Turm der St.Petri-Kirche und hatte dort einen guten Rundblick auf die ganze Stadt.
Am Fluss war eine Holzstatue von Lielais Kristaps über den die Legende von Riga handelte;
Es war einmal vor langer Zeit bevor Riga gegründet worden war ein großer, starker Mann namens Lielas Kristaps (großer Christopher). Er trug die Leute über den Fluss Daugava und wohnte in einem kleinen Haus am rechten Ufer des Flusses. Als er eines Nachts in seinem Haus am schlafen war, hörte er ein kleines Kind am anderen Ufer weinen. Er stand sofort auf und ging zum Kind und begann es auf die andere Seite zu tragen. Auf halbem Weg wurde das Kind so schwer, dass er es kaum noch tragen konnte, mit viel Mühe schaffte er es trotzdem und legte das Kind erschöpft ins Stroh und fiel sofort selbst in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen als Kristaps aufwachte fand er eine große Truhe Gold, wo das Kind gelegen hatte. Nach seinem Tod wurde das Gold verwendet um die Stadt Riga zu gründen. Das erste Haus wurde an der Stelle von Kristaps Hütte gebaut.
Von dort aus machte ich eine kurze Bootsfahrt und konnte auch so feststellen, dass meine Fähre bereitlag. In der Nähe des Freiheitsdenkmals hatte ich ein kleines Mittagsmahl und bevor ich mein Gepäck holte und zum Hafen aufbrach benutze ich meine letzten Lati für ein Andenken. Beim Hafen konnte ich eine Nummer ziehen und pünktlich um halb vier begann das Check-In und wenig später konnte ich das Schiff und meine Innenkabine auf dem sechsten Deck betreten. Um halb sechs fuhren wir ab und mussten dem Fluss entlang etwa eine halbe Stunde fahren bis wir die offene See erreichten. Es windete sehr so kann ich mich wahrscheinlich auf eine bewegte Nacht einrichten, der Wellengang sah jedoch relativ normal aus. Wahrscheinlich bin ich einfach schon lange nicht mehr zur See gefahren.
Da das Buffet etwa 45 Franken und das A la Carté-Restaurant nicht minder viel kostete entschied ich mich das Nachtessen im Selbstbedienungsrestaurant zu essen. Die Minikreuzfahrt hatte sogar ein Unterhaltungsprogramm mit Liveband, Disco und einer Show, doch ich wollte es nicht übertreiben und verzog mich bereits um halb zehn in meine zur eigenen Verfügung stehende Kabine. Obwohl im 6. Von 9 Decks spürte man auf dieser Fähre weniger den Wellengang, dafür umso mehr die Maschine. Am Morgen um sieben Uhr stand ich auf und wir befanden uns schon mitten in den schwedischen Inseln. Der Preise des reichhaltigen Frühstücksbuffets war akzeptabel und so schlug ich mir den Bauch voll. Pünktlich um halb zehn kamen wir im Hafen von Stockholm an und ich fragte mich warum ein Schiff dies schaffte während die Züge fast immer Verspätung hatten.
So kam ich im letzten Land und der letzten Stadt auf dieser Reise an und zu Fuß machte ich mich zur nächsten U-Bahn-Station Gärdet, von wo ich mit einer direkten „Tunnelbahn“ zu meiner Zieldestination fahren konnte. Dort fand ich auch ohne Probleme meine Herberge in einem ehemaligen Gefängnis, dass 1975 geschlossen worden war. Mein Bett war noch nicht bereit, doch ich konnte mein Gepäck abstellen und machte mich mit dem ÖV zu meiner ersten Sehenswürdigkeit. Das Wetter hat anfangs noch ungünstig ausgesehen, doch es besserte sich zusehends und so konnte ich den Skansen Park vollumfänglich genießen. Rentier, Elche, Bären, Eulen, Wölfe, Bisons und vieles mehr konnte ich dort sehen. Als nächstes war das wohl beste Museum Stockholms an der Reihe, das Wasamuseum. Hier konnte man das mächtige Kriegsschiff Wasa bestaunen. Sie war 1628 nach nur 20 Minuten auf seiner Jungfernfahrt gesunken und dank dem geringen Salzgehalt und der tiefen Temperatur gut konserviert worden, so dass sie 333 Jahre später gehoben werden konnte und nach knapp 30 Jahren rekonstruiert samt Seilen hier präsentiert werden konnte. Der Grund für den Untergang war der schmale Rumpf und somit der fehlende Platz für den Ballast; beim nächsten Schiffsbau wurde der Fehler behoben und dieses fuhr zum Wohlstands Schweden dann dreißig Jahre lang. Nach diesem eindrucksvollen Einblick in eine vergangene Zeit fuhr ich zurück zum Hostel, wo ich meine Zelle beziehen konnte. Ich blieb jedoch nur kurze Zeit dort und fuhr wieder ins Zentrum um zuerst den Transfer zum Flughafen zu erkunden und danach etwas zum Nachtessen zu finden. Ich entschied mich schlussendlich für ein asiatisches Restaurant mit einem großen Buffet.
Der letzte Tag meiner Reise war angebrochen. Nachdem ich mein Gepäck beim Centralbahnhof in ein Schließfach gesperrt hatte und mir somit den nochmaligen Weg zum Hostel gespart hatte fuhr ich zum Käknäs-Fernsehturm, wo man eine gewaltige Aussicht hatte. Dann ging es von dort nach Gamla Stan der Altstadt von Stockholm. Da es Samstag war wimmelten die Straßen von Leuten, auch viele Einheimische waren unterwegs. Ich schaute die vielen Andenkenläden an und um viertel nach zwölf stand ich bereit vor dem Königspalast und sah mir die Wachablösung an. Diese dauerte 45 Minuten und das lange stehen hatte doch noch hungrig gemacht und so ging ich ins Restaurant Michelangelo und aß einen Teller feinen Spaghetti Carbonara. Dazu gab es eine Flasche Cider.
Das letze was ich dann noch machte, war eine Fahrt mit einem historischen Tram und dann ging es auch schon zurück zum Centralbahnhof, wo ich mit einem Bus ins 45 Kilometer entfernte Arlanda gebracht wurde, wo sich der internationale Flughafen befindet. Das Check-In ließ ein wenig auf sich warten, doch dann ging es reibungslos bis zum Gate. Beim Taxfree-Shop freute ich mich das erste Mal, dass die Schweiz nicht in der EU ist und kaufte mir eine Special Edition einer Absolut Wodka Flasche.

 


Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!